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Foto: Anna Logue

Ringvorlesung im Herbst-/Wintersemester 2017

Entwicklungs­ökonomik – Herausforderungen. Chancen. Lösungen?

Zugang zu fließendem sauberen Wasser, ein Stromanschluss oder gar eine Internetverbindung – viele der für uns alltäglichen Dinge sind für einen großen Teil der Menschheit noch lange kein Alltag. Doch wie kann man deren Situation verbessern? Welche theoretischen Ansätze lassen sich in die Praxis umsetzen? Welche Entwicklungs­programme sind wirklich hilfreich? Wie schafft man es, Investitions­anreize in Entwicklungs­ländern zu setzen? 

Diese und viele weitere spannende Fragen sind Gegenstand der Ringvorlesung des HWS 2017. Dazu begrüßt die Abteilung Volkswirtschafts­lehre Referenten mit theoretischem wie auch mit praktischem Tätigkeits­schwerpunkt, die einen tiefergehenden Einblick in ihre Ideen und Ansätze zur Beantwortung dieser entscheidenden Fragen geben werden.

Die Veranstaltungen finden jeweils von 19:00 bis 20:30 Uhr im Raum M 003 im Mittelbau des Schlossgebäudes statt.

20. September 2017:
Michael Seckler (United Nations Regional Information Centre, Bonn): 
„Sustainable Development Goals – Ziele, Herausforderungen, Hintergründe“


Abstract:

700 Millionen Menschen weltweit sind von extremer Armut betroffen. 795 Millionen leiden täglich an Hunger. Mehr als eine Milliarde haben keinen Zugang zu Elektrizität. Das zu ändern ist Ziel der Vereinten Nationen. Bis 2030 hat man sich für die Erfüllung der insgesamt 17 Ziele Zeit gegeben. Die Sustainable Development Goals sind ein Mammut­projekt, das große Herausforderungen birgt, dessen Ziele aber enorm wichtig für das weitere Zusammenleben auf unserem Planeten sind. 

Der Vortrag von Michael Seckler (UNRIC Büro Bonn) wird sich mit dem Entstehungs­kontext, der Struktur und der Funktions­weise der Agenda beschäftigen und wird insbesondere auf die großen Herausforderungen eingehen, die diese Ziele mit sich bringen. 


Referent:

Michael Seckler arbeitet als Junior Professional Officer (JPO) für das United Nations Regional Information Centre (UNRIC) in Bonn. Zuvor war er ein Jahr lang für die Europäische Kommission in Brüssel tätig. Er hat einen gemeinsamen Studien­abschluss der Universität Aarhus (Dänemark) und der Universität Amsterdam in „Journalism, Media and Globalization“. 

4. Oktober 2017:
Dr. Michael Krempin (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH – GIZ):
„Theorie in der Praxis – Bedeutung entwicklungs­ökonomischer Ansätze für die GIZ“


Abstract:

In Zeiten der Globalisierung ist eine internationale Zusammenarbeit in entwicklungs­politischen Fragen unabdingbar. Doch welche Faktoren spielen dabei eine Rolle? Sind theoretische Vorstellungen mit der Praxis vereinbar? Und gibt es die EINE Lösung für eine erfolgreiche internationale Entwicklungs­zusammenarbeit? 

Der Vortrag von Dr. Krempin setzt sich mit diesen Fragen auseinander und geht auf die Bedeutung entwicklungs­theoretischer Ansätze für eine erfolgreiche internationale Entwicklungs­politik ein. Dabei wird besonderes Augenmerk auf die praktische Umsetzung theoretischer Konzepte in der Projektarbeit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) gelegt und dargestellt, wie sich entwicklungs­politische Ziele vor Ort umsetzen lassen. 


Referent:

Im Anschluss an sein Studium der Politik­wissenschaft und Germanistik an der TU Braunschweig promovierte Dr. Michael Krempin mit einer Doktorarbeit über die Bauernbewegung in Bolivien. Bolivien war auch Schwerpunkt seiner anschließenden Arbeit bei der Deutschen Forschungs­gemeinschaft. Er forschte weiterhin über die Entwicklung Südamerikas am Institut für Iboamerika-Kunde und als Programmkoordinator für lateinamerikanische Länder beim Centrum für internationale Migration und Entwicklung. Seine langjährige Erfahrung bringt Krempin heute als Senior Policy Berater in der Stabsstelle Unternehmens­entwicklung der GIZ ein. Dabei beschäftigt er sich vor allem mit Grundsatzfragen und der Zukunft der politischen Entwicklungs­zusammenarbeit.

18. Oktober 2017:
Dr. Andreas Fuchs (Universität Heidelberg):
„Chinesische Entwicklungs­hilfe und ihre Konsequenzen“


Abstract:

Chinas Entwicklungs­hilfe wächst rasant auf allen Kontinenten. Viele Beobachter sehen diese Entwicklung als Gefahr für die bislang durch die USA, Europa und Japan dominierte internationale Entwicklungs­politik, andere loben Peking für die großen Entwicklungs­chancen, die entstehen. Was bestimmt die Höhe der Hilfe? In welchen Ländern, Provinzen und Sektoren ist China aktiv und warum? Welche Auswirkungen haben Pekings Entwicklungs­aktivitäten auf das Wirtschafts­wachstum, die Regierungs­führung, Konflikte und andere Entwicklungs­indikatoren in Empfängerländern? 

Der Vortrag von Dr. Fuchs wird sich mit diesen Fragen auseinandersetzen und dabei auch den Einfluss auf die „westliche Entwicklungs­politik“ durch einen Anstieg chinesischer Entwicklungs­hilfe thematisieren. 


Referent:

Dr. Andreas Fuchs ist Akademischer Mitarbeiter am Alfred-Weber-Institut für Wirtschafts­wissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, wo er am Forschungs­zentrum für Verteilungs­konflikte und Globalisierung arbeitet. Im akademischen Jahr 2012/2013 war er als Postdoc am Niehaus Center for Globalization an der Princeton University beschäftigt. Dr. Fuchs hat 2012 seine Dissertation zum Thema „Politische Determinanten von Auslands­hilfe und internationalem Handel aufstrebender Schwellenländer“ verfasst. In seinen Forschungs­arbeiten untersucht er vor allem die Vergabeentscheidungen aufstrebender Geldgeber von Entwicklungs­hilfe und deren Bedeutung im Kontext internationaler Spannungen. Seit 2015 leitet Dr. Fuchs das DFG-geförderte Projekt „Die Ökonomie aufstrebender Geber in der Entwicklungs­zusammenarbeit“. Er ist Mitglied des European Development Network (EUDN), des Entwicklungs­ökonomischen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik und des AidData-Programm des Collge of William and Mary, Virginia.

8. November 2017:
Prof. Dr. Michael Grimm (Universität Passau):
„Nachhaltige Elektrifizierung in Afrika: Die Nachfrage nach Solarstrom – Experimentelle Evidenz aus Ruanda.“


Abstract:

Die UN haben sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 allen Haushalten Zugang zu Elektrizität zu ermöglichen. Die Kosten hierfür sind jedoch enorm, insbesondere bei einem Ausbau konventioneller Elektrizitätsnetze. Als kostengünstige Alternative werden vor allem autonome, lokale Energiequellen in Erwägung gezogen. Insbesondere wird auf Haushalts­solaranlagen gesetzt. Die Anzahl der Anbieter steigt bereits, auch in Afrika. Fraglich ist, inwieweit der Markt alleine Haushalte bedienen kann. 

Der Vortrag von Prof. Grimm geht dieser Frage nach. Im Zentrum steht ein Experiment in Ruanda, welches die Zahlungs­bereitschaft der Haushalte für verschiedene Solaranlagen mittels einer anreizkompatiblen Methode misst. Dabei stellt Prof. Grimm neben seinem Vorgehen auch entwicklungs­politische Lösungs­ansätze vor, die möglichst schnell und kostengünstig armen afrikanischen Haushalten den Zugang zu Elektrizität ermöglichen sollen.


Referent:

Nach seinem Studien­abschluss als Diplom-Volkswirt an der Goethe Universität Frankfurt ließ Prof. Dr. Michael Grimm einen Master in „Population and Development Economics“ an der Universität Sciences-Po in Paris folgen. Ebendort verfasste er später auch seine Dissertation zum Thema „Demo-economic behaviour, income distribution and development“. Im Anschluss war er u. a. als Berater bei der Weltbank in Washington sowie als Gastprofessor an der Erasmus Universität Rotterdam tätig. Seit 2012 ist Prof. Grimm Lehr­stuhl­inhaber für Development Economics an der Universität Passau und derzeit zugleich Prodekan der Fakultät für Wirtschafts­wissenschaften. Prof. Grimm ist Mitglied des European Development Networks, der Society of Economic Inequality und des Entwicklungs­ökonomischen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik. Daneben ist er außerdem Gründungs­mitglied des Poverty Reduction, Equity and Growth Network (PEGNet) am Kieler Institut für Weltwirtschaft.

22. November 2017:
Bruno Wenn (Deutsche Investitions- und Entwicklungs­gesellschaft – DEG):
„Förderung der Privatwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern – ein Paradigmenwechsel in der Entwicklungs­politik?“


Abstract:

Ist die westliche Entwicklungs­politik der vergangenen Jahre gescheitert? Wurde der Aufbau einer stabilen Wirtschaft in den meisten Entwicklungs­ländern versäumt? Kann solch ein Projekt überhaupt gelingen? Und wenn ja, wie realisiert man es? 

Sinnvolle Investitionen und langfristig angelegte Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern sind der Kern der Arbeit der Deutschen Investitions- und Entwicklungs­gesellschaft (DEG). Dabei werden insbesondere Unternehmer vor Ort unterstützt, damit diese langfristig unabhängig agieren können. Der Vortrag von Bruno Wenn wird sich neben den unterschiedlichen Ansätzen der Entwicklungs­politik und -ökonomie vor allem mit der Arbeit der DEG zur Förderung der Privatwirtschaft vor Ort auseinandersetzen. 


Referent:

Nach dem Studium der Volkswirtschafts­lehre und anschließendem Postgraduiertenstudium am Deutschen Institut für Entwicklungs­politik trat Bruno Wenn 1982 als Projektmanager für Vorhaben auf den Philippinen und in Indonesien in die damalige Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein. Nach diversen Stationen in leitender Funktion, unter anderem als Leiter des Auslands­sekretariats der KfW Bankengruppe, übernahm er 2006 die Leitung des Bereichs Subsahara Afrika in der KfW Entwicklungs­bank. Seit Oktober 2009 ist Bruno Wenn Sprecher der Geschäftsführung der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungs­gesellschaft mbH.