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Foto: Anna Logue

Ringvorlesung im Herbst-/Wintersemester 2016

Die Vorlesungen finden jeweils von 19:00 bis 20:30 Uhr im Raum SN 163 statt.

14. September 2016:
Dr. Dietmar Bartsch:
„Umsteuern zu mehr Gleichheit“


Abstract:
Wir finden ökonomische Ungleichheit als globale Struktur vor. Ungleichheit prägt auch die Beziehungen zwischen den Ländern in der Europäischen Union. Ein wichtiges Instrument, das der wachsenden Ungleichheit entgegenwirken kann, ist die Umverteilung durch die Steuerpolitik. Gegenwärtig wird Ungleichheit durch die Steuerpolitik eher befördert. Das führt auch zu einer nachlassenden Investitions­tätigkeit des Staates und zieht so öffentliche Infrastrukturen in Mitleidenschaft. Dieses deutsche Modell ist im Zuge der Eurokrise exportiert worden und führt in den betroffenen Staaten zu weiterer Verarmung. Eine der Reaktionen ist auch der Rechts­populismus. Er ist eine Form der Auflehnung, aber er richtet sich gegen die Falschen. Es ist für die Demokratie wichtig, dieses Phänomen und seine Ursachen zu verstehen. 


Referent:
Dr. Dietmar Bartsch ist Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. und Oppositions­führer im 18. deutschen Bundestag. Er studierte Politische Ökonomie an der Hochschule für Ökonomie in Berlin, 1990 erfolgte seine Promotion zum Dr. rer. oec. an der Akademie für Gesellschafts­wissenschaften in Moskau. Er war bislang als Bundes­schatzmeister , Bundes­geschäftsführer und Wahlkampfleiter der PDS sowie als Bundes­geschäftsführer der Partei DIE LINKE. und als stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion tätig. Dr. Bartsch wird zum reform­orientierten Flügel der Partei gezählt.

12. Oktober 2016:
Prof. Dr. Felix Ekardt, LL.M., M.A.:
„Zerstören einfache Wahrheiten die Demokratie? Das Beispiel der Energiewende und ihrer sozialen und wirtschaft­lichen Verträglichkeit“


Abstract:
Aktuelle Entwicklungen wie der Brexit oder der aufkommende Rechts­populismus scheinen einen Trend bei Bürgern und Politikern zu einfachen Wahrheiten zu belegen. Näher betrachtet handelt es sich dabei weniger um einen Trend als vielmehr um ein – psychologisch komplex erklärbares – Grundphänomen, das verschiedene menschliche Bedürfnisse bedient. Der Vortrag erörtert diesen Sachverhalt exemplarisch anhand der Energie- und Klimawende. Vordergründig erscheint sie vielen als nett oder sogar dringlich und im Konkreten als unsozial und unwirtschaft­lich. Bei genauer Betrachtung erweist sich jedoch das genaue Gegenteil als zutreffend: Wirtschaft­licher Erfolg und sozialer Ausgleich im 21. Jahrhundert erfordern zwingend einen Klimaschutz, der kurzfristig die fossilen Brennstoffe überwindet. Und zwar nicht nur beim Strom, auf den alle einseitig schauen, sondern auch bei Wärme, Mobilität, Dünger oder Kunststoffen.


Referent:
Prof. Dr. Felix Ekardt ist seit Anfang 2009 Gründer und Leiter der Forschungs­stelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig und Berlin. Ferner ist er Professor für Öffentliches Recht und Rechts­philosophie an der Universität Rostock und zugleich Long-term Fellow am Forschungs­institut für Philosophie in Hannover (FIPH). Seine Expertise reicht von human­wissenschaft­licher Nachhaltigkeits­forschung, Menschenrechts­forschung, Nachhaltigkeits- und Umweltrecht bis hin zur Entwicklung von konkreten Politikinstrumenten. Gelegentlich ist er seit 2002 Gastdozent an der Universität Leipzig (Philosophische Fakultät) und seit 2008 an verschiedenen chinesischen Universitäten in Beijing und Tianjin.

26. Oktober 2016:
Prof. Dr. Viktor Steiner:
„Reformalternativen der Grundsicherung im Sozialstaat“


Abstract:
Im Sozialstaat besteht ein Zielkonflikt zwischen der Höhe der bedarfsgeprüften Grundsicherung, den finanziellen Anreizen zur Aufnahme einer Beschäftigung im Niedriglohn­bereich und den fiskalischen Kosten der Förderung von Beschäftigung in diesem Bereich („Sozialstaats­dilemma“). Ausgehend von einer Diskussion der Relevanz des Sozialstaats­dilemmas in Deutschland werden im ersten Teil des Vortrags diese Reformen hinsichtlich ihrer Beschäftigungs- und Verteilungs­wirkungen kritisch bewertet. Anschließend werden aktuelle Vorschläge aus Wissenschaft und Politik zur besseren Vereinbarkeit von Grundsicherung und dem Beschäftigungs­ziel („Kombilohn­modelle“) sowie eines „bedingungs­losen Grundeinkommens“ dargestellt und deren potentiellen Beschäftigungs- und Verteilungs­wirkungen für Deutschland bewertet.


Referent:
Prof. Dr. Viktor Steiner hat den Lehr­stuhl für Volkswirtschafts­lehre, insb. Empirische Wirtschafts­forschung und Wirtschafts­politik an der Freien Universität Berlin inne und war bis 2010 Leiter der Forschungs­abteilung „Staat“ am Deutschen Institut für Wirtschafts­forschung (DIW) Berlin. Seine Forschungs­schwerpunkte liegen in den Bereichen Empirische Finanz­wissenschaft, Sozialpolitik, Arbeits­markt- und Bildungs­politik, Angewandte Mikroökonometrie und Mikrosimulation. Viktor Steiner promovierte 1990 an der Universität Linz und habilitierte sich 2001 an der Goethe-Universität Frankfurt/Main für Volkswirtschafts­lehre und Ökonometrie. Er war unter anderem als Konsulent für die OECD, die EU Kommission und die Weltbank tätig und ist Mitglied im Ausschuss für Sozialpolitik und im Ausschuss für Bevölkerungs­ökonomie des Vereins für Socialpolitik.

9. November 2016:
Marion Lieser:
„Gender (In)Equality“


Abstract:
Eine der ältesten und allgegenwärtigsten Formen sozialer Ungleichheit ist diejenige zwischen Männern und Frauen. Die extreme Ungleichheit hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: 2015 besaßen gerade einmal 62 Einzelpersonen genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Gleichzeitig sind 70 Prozent der weltweit in extremer Armut lebenden Menschen Frauen. Damit sich dies verändert, brauchen Frauen und Mädchen Chancengleichheit und Gleichberechtigung – nicht nur auf dem Papier. Der Vortrag skizziert die Dimensionen von Gender (In-)Equality sowie ihre Verknüpfungen mit ökonomischer und sozialer Ungleichheit, insbesondere unter entwicklungs­politischer Perspektive. Dabei wird ein Augenmerk auf Lösungs­wege und praktische Beispiele aus der Arbeit von Oxfam gelegt.


Referentin:
Marion Lieser hat im Januar 2012 die Geschäftsführung des Oxfam Deutschland e. V. übernommen. Sie hat im Laufe ihrer Karriere Erfahrungen in der bilateralen Entwicklungs­zusammenarbeit genauso wie im Profit- und Non-Profit-Sektor gesammelt. Marion Lieser hat Sozialpädagogik/Sozialarbeit, Soziologie und Umwelt­wissenschaften studiert und war während ihres gesamten Berufslebens im Rahmen der internationalen Entwicklungs­zusammenarbeit in Deutschland und im Ausland tätig. Sie arbeitete unter anderem für den Deutschen Entwicklungs­dienst (DED) im Bereich Frauen-Förderung und Stärkung zivil­gesellschaft­licher Strukturen im Sudan und Kenia, für die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), für die Consulting-Firma EPOS Health Management und für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Tansania als integrierte Fach­kraft für die Beratung der Leitung des größten zivil­gesellschaft­lichen Dachverbandes des Landes.

30. November 2016:
Prof. em. Dr. Wolf Schäfer:
„Brexit, Sozialsystem und offene Grenzen“


Abstract:
Das britische Votum für einen Brexit hat viele Gründe. Ein wichtiger ist die offensichtliche institutionelle Reformabstinenz der EU. Großbritannien als zweitgrößter Nettozahler ist zudem nicht mehr bereit, die aufgrund der ökonomischen und sozialen Ungleichheiten innerhalb der EU expandierenden Transferzahlungen und Haftungs­lasten mitzutragen, die sich auch durch die Flüchtlingskrise offenbaren. Vertragen sich offene Grenzen mit einem offenen Sozialsystem? Und wer ersetzt jetzt die subsidiär orientierten Briten im Kontrast zu dem eher zentralistisch ausgerichteten Integrations­ansatz Frankreichs und den romanischen EU-Staaten? Die EU steht vor der Aufgabe signifikanter institutioneller Reformen.
 

Referent:
Prof. em. Dr. Wolf Schäfer war bis 2006 Inhaber des Lehr­stuhls für Theoretische Volkswirtschafts­lehre und Vizepräsident der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Er ist Co-Direktor am Europa-Kolleg der Universität Hamburg und Vorsitzender der Hayek-Gesellschaft.  Seine bevorzugten Forschungs­bereiche sind: Europäische Integration, Institutionen­ökonomie, Theorie und Politik der Außen­wirtschaft.