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Foto: Anna Logue

Ringvorlesung im Frühjahr-/Sommersemester 2018

The New Normal? – Aktuelle Themen der Makroökonomie

Spätestens durch die Finanzkrise 2007/08 ist offenkundig geworden, dass die Standard­modelle und typischen Annahmen der Makroökonomie nicht ausreichend sind, um aktuelle wirtschaft­liche Phänomene zu erklären und geeignete Lösungs­ansätze für die bestehenden Herausforderungen zu entwickeln. Der Begriff „New Normal“ beschreibt einen Zustand nach der Krise, in dem trotz bspw. massiver Eingriffe von Zentralbanken die Inflation auf niedrigem Niveau verharrt und der weltweite Handel sowie internationale Finanzströme sich erstmals nicht mit den lange gewohnten Steigerungs­raten entwickelt haben.

Aber wie hoch ist in der heutigen Zeit die „optimale“ Inflations­rate? Wie wirken sich globale Unsicherheiten auf die Finanzmärkte aus? Und wovon hängt das Niveau des internationalen Handels genau ab? – Es gibt viele Fragen, die es wert sind, auf der Suche nach neuen Antworten gestellt zu werden. Einige davon greift die Ringvorlesung im Frühjahrssemester 2018 auf.

Die Veranstaltungen finden jeweils von 19:00 bis 20:30 Uhr im Raum SN 169 im Schlossgebäude statt. Studierende aller Fakultäten sowie die interessierte Öffentlichkeit sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.

28. Februar 2018:
Dr. Henning Weber (Deutsche Bundes­bank):
„Niedrige Inflation: Heute hier, morgen fort”


Abstract:

In wichtigen Wirtschafts­räumen liegt die Inflations­rate seit einigen Jahren unter dem Inflations­ziel der Zentralbank. Die Veranstaltung am 28. Februar 2018 beleuchtet diese Situation, ausgehend von aktuellen Inflations­zahlen über die Messung von Inflation hin zu ökonomischen Erklärungen und den Folgen für die Geldpolitik. Insbesondere geht es um folgende Fragen: Wie hat sich die Inflations­rate in den Jahren vor und seit der Finanzkrise entwickelt? Hat sich die Inflations­rate in bestimmten Industrieländern bzw. wichtigen Industrien ähnlich entwickelt? Wie wird Inflation von den Statischen Ämtern gemessen, und was sagt diese Größe damit eigentlich aus (und was nicht)? Welche Erklärungs­ansätze für niedrige Inflations­raten gibt es, und wie kann die Geldpolitik reagieren? 


Referent:

Dr. Henning Weber ist Ökonom im Forschungs­zentrum der Deutschen Bundes­bank und widmet sich derzeit im Rahmen seiner Forschungs­tätigkeit den Gebieten Makroökonomik und Geldpolitik. Weber studierte in Konstanz und Berlin Volkswirtschafts­lehre und wurde im Jahr 2008 an der Freien Universität Berlin promoviert. Im Anschluss war er unter anderem von 2010 bis 2013 am Kieler Institut für Weltwirtschafts­forschung als stellvertretender Forschungs­leiter auf der Gebiet „Macroeconomic Policy under Market Imperfections“ tätig. Hier befasste er sich insbesondere mit den Substitutions­effekten auf die Inflations­erfassung sowie den Effekten des Euros auf den Handel. Ende 2013 wechselte er in das Forschungs­zentrum der Deutschen Bundes­bank.

7. März 2018:
Prof. Dr. Andreas Freytag:
„Staats­haushalt, Zentralbankunabhängigkeit und Inflation”


Abstract:

Es gibt in der Geschichte der Menschheit keine Hyperinflation, die nicht von Regierungen in dem Bemühen, ihre Staats­ausgaben zu finanzieren, verursacht wurde. Deshalb kommt den Zentralbanken eine besondere Rolle bei der Inflations­vermeidung zu. Je unabhängiger sie vom politischen Tagesgeschäft sind, desto besser können sie Inflation bekämpfen bzw. – positiv formuliert – für Preisniveaustabilität sorgen. Die Veranstaltung wird die politökonomische Logik sowie die Grundelemente des Konzepts der Zentralbankunabhängkeit erläutern und anhand einiger Beispiele zeigen, unter welchen Bedingungen unabhängige Zentralbanken das Ziel der Preisniveaustabilität erreichen können. Dabei wird auch ein Ausblick auf die Zukunft der Zentralbankunabhängigkeit in Zeiten des Quantitative Easing (umfangreicher Ankauf von Anleihen) gegeben.


Referent:

Prof. Dr. Andreas Freytag ist Professor für Wirtschafts­politik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Neben Fragen zur deutschen und europäischen Wirtschafts­politik interessieren ihn insbesondere außen­wirtschaft­liche und entwicklungs­politische Themen. Sein Ansatz ist ein ordnungs­politischer und institutionen­ökonomischer; er ist aktiv in der Public Choice Society. Freytag ist zudem Direktor von Tutwa Deutschland und Mitglied des CESifo Forschungs-Netzwerks. Er ist assoziiert mit dem European Centre for International Political Economy in Brüssel und dem South African Institute of International Affairs in Johannesburg, wo er 2008 Bradlow Fellow war. Freytag studierte Volkswirtschafts­lehre in Kiel, promovierte und habilitierte in Köln. Er ist Autor zahlreicher Aufsätze und Bücher, u. a. des mit Juergen B. Donges gemeinsam verfassten Lehr­buchs „Allgemeine Wirtschafts­politik“.

21. März 2018:
Prof. Dr. Robert Czudaj:
„Unsicherheiten und Erwartungen”


Abstract:

Das letzte Jahrzehnt war und ist durch unterschiedliche Krisen geprägt, die in der Bevölkerung und nicht zuletzt auf den Finanzmärkten Unsicherheit auslösen. Ereignisse wie z. B. das Brexit-Referendum in Großbritannien, die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten oder der Erfolg des Front National in Frankreich und der AfD in Deutschland verändern die Politiklandschaft in den entsprechenden Ländern deutlich und tragen zu der allgemeinen Unsicherheit bei. In der akademischen Literatur hat das Thema Unsicherheit in den letzten Jahren ebenfalls eine zentrale Rolle eingenommen. Die Veranstaltung beschäftigt sich mit unterschiedlichen Konzepten von Unsicherheit, deren Messung sowie deren Effekt auf Erwartungen an den Finanzmärkten.


Referent:

Prof. Dr. Robert Czudaj ist Inhaber der Juniorprofessur für Empirische Wirtschafts­forschung an der Technischen Universität Chemnitz. Seine Forschungs­schwerpunkte liegen in den Gebieten Angewandte Ökonometrie, Zeitreihenanalysen und Finanzmärkte. Czudaj studierte an der Universität Duisburg-Essen, wo er auch im Jahr 2013 im Bereich der empirischen Analyse von Finanzmärkten promovierte und im Anschluss seine Lehr­tätigkeit aufnahm. In den letzten Jahren hat er sich in seinen Publikationen insbesondere mit Thematiken in Bezug auf Wechselkurse auseinandergesetzt.

11. April 2018:
Michael Ehrmann, Ph.D.:
„Worte auf der Goldwaage – die Rolle der Zentralbank-Kommunikation in Zeiten der unkonventionellen Geldpolitik“


Abstract:

Kommunikation ist ein integraler Bestandteil der Geldpolitik: Zentralbanken beeinflussen das Wirtschafts­geschehen nicht nur durch ihre Politikmaßnahmen, sondern darüber hinaus in nicht unerheblichem Maße durch ihre Kommunikation. Insbesondere Finanzmärkte verfolgen die Veröffentlichungen der Zentralbanken sehr genau, aber auch in anderen Wirtschafts­bereichen, in den Medien, der Politik und zunehmend in der breiten Öffentlichkeit wird ihnen Beachtung geschenkt. Die Bedeutung der Zentralbankkommunikation hat insbesondere seit der globalen Finanzkrise stark zugenommen: Zentralbanken haben neue geldpolitische Instrumente eingesetzt, deren Wirkungs­weise erklärt werden musste und die in der öffentlichen Debatte zum Teil kontrovers diskutiert wurden. Darüber hinaus haben viele Zentralbanken begonnen, ihre Geldpolitik längerfristig auszurichten, was beinhaltet, dass sie ihre Erwartungen über den weiteren Verlauf der geldpolitischen Maßnahmen bekanntgeben. In dieser Veranstaltung werden diese Entwicklungen aufgezeigt, und es wird untersucht, inwiefern es den Zentralbanken tatsächlich gelungen ist, ihre geldpolitischen Strategien zu erklären und die Erwartungen über zukünftige geldpolitische Maßnahmen zu beeinflussen.


Referent:

Nach Abschluss seines Ph.D. am European University Institute (EUI) in Florenz lehrte Michael Ehrmann in Berlin und Frankfurt. Anschließend zog es ihn nach Kanada, wo er diverse Positionen in der Research Abteilung der Bank of Canada innehielt. Ende 2016 kehrte er nach Frankfurt zurück. Michael Ehrmann ist momentan Leiter der Monetary Policy Research Division an der Europäischen Zentralbank und analysiert dort die Auswirkungen der Geldpolitik der EZB.

16. Mai 2018:
Prof. Dr. Lisandra Flach:
„Quality and Gravity in International Trade”


Abstract:

International trade is currently one of the big questions in our world. After an enormous increase in the last decades it seems as if it has lost some steam. An important factor in this development is trade liberalisation. Often we hear about TTIP, NAFTA and TPP, but what about the firms? How do they respond to lower trade barriers, and are there special industries that profit more than others? We are going to have a look at how firms differing in industries react to trade liberalisation. First in theory and then also empirically we will investigate how economics of scale will have an effect on innovation and the response of firms to lowering trade barriers.


Referentin:

After graduating from Mannheim in 2012, Prof. Dr. Lisandra Flach held a couple of different positions like consultant to the OECD and the ifo Institute. Additionally she was Visiting Researcher and Scholar at Columbia and Havard. She currently is assistant professor at the LMU in Munich where she focuses especially on the impact of and the reactions of firms to international trade.