VWL und Verkehr: Damit alle besser vorankommen

Deine Mission

Jeden Tag bewegen sich Millionen Menschen und Güter durch Deutschland: zur Schule, zur Uni, zur Arbeit, zum Super­markt, zum Flughafen oder ins Ausland. Doch oft läuft es nicht so, wie es sollte. Menschen stehen im Stau, Züge verspäten sich, Brücken müssen saniert werden, Paketdienste kämpfen mit engen Zeitfenstern, und der Verkehr verursacht Lärm, Unfälle und CO₂-Emissionen. Wie sollen knappe Flächen, Zeit, Geld und Energie sinnvoll eingesetzt werden? Als Volkswirt*in mit Vertiefung in Verkehrs­ökonomik analysierst du, warum Verkehrs­systeme oft überlastet sind – und wie man sie besser gestaltet. Du berechnest, welche Maßnahmen Staus vermeiden, Emissionen senken, Lieferketten stabiler machen und Menschen besser verbinden. Dabei denkst du nicht nur technisch, sondern gesellschaft­lich: Mobilität soll funktionieren, aber sie soll auch effizient, fair und klima­freundlich sein.

Deine Aufgaben (Auswahl)

Neue Mobilität & digitale Geschäfts­modelle

  • Autonomes Fahren: Selbstfahrende Autos könnten Verkehr sicherer und effizienter machen. Sie könnten aber auch neue Staus erzeugen, wenn leere Fahrzeuge durch Städte fahren oder Menschen noch häufiger das Auto nutzen. Du modellierst verschiedene Szenarien und leitest ab, welche Regeln nötig sind, bevor autonome Fahrzeuge massenhaft auf die Straße kommen.
  • Sharing, Plattformen & neue Mobilitätsdienste: Uber, Carsharing, E-Scooter, Leihräder und Ridepooling verändern, wie Menschen sich in Städten bewegen. Du unter­suchst, ob solche Dienste Bus und Bahn sinnvoll ergänzen – oder ob sie Fahrgäste aus dem ÖPNV abziehen, Gehwege blockieren und zusätzlichen Verkehr erzeugen. Daraus entwickelst du Regeln, mit denen Städte neue Angebote sinnvoll steuern können.
  • E-Mobilität & Ladeinfrastruktur: Mehr Elektroautos helfen nur dann, wenn Laden einfach, bezahlbar und netzverträglich funktioniert. Du analysierst, wo Ladepunkte gebraucht werden, ob Arbeitgeber Lade­möglichkeiten anbieten sollten und welche Anreize den Umstieg auf E-Mobilität beschleunigen – ohne neue Ungleich­heiten oder Fehlanreize zu schaffen.


Preise, Anreize & faire Kosten

  • Staupreise und City-Maut: Staus entstehen nicht nur, weil zu viele Autos unter­wegs sind. Sie entstehen auch, weil einzelne Fahrer*innen nicht alle Kosten tragen, die sie anderen verursachen: Zeitverlust, Lärm, Abgase, Stress und blockierte Straßenflächen. Du entwickelst Maut- und Preis­systeme, die Straßen zu besonders überlasteten Zeiten entlasten – und prüfst, warum Modelle in Städten wie London, Stockholm oder Singapur funktionieren können.
  • Ticketpreise im ÖPNV: Soll Bus- und Bahnfahren günstiger werden, damit mehr Menschen umsteigen? Oder braucht der ÖPNV vor allem bessere Verbindungen, dichtere Takte und verlässlichere Züge? Du modellierst, wie stark Preise die Nachfrage verändern – und ob ein Deutschland­ticket für 49 bzw. 63 Euro die Verkehrs­wende voranbringt oder vor allem Fahrten vergünstigt, die ohnehin stattgefunden hätten.
  • Kraftstoffpreise, CO₂-Bepreisung & Energiesteuern: Benzin, Diesel, Kerosin und Strom haben nicht nur private Kosten, sondern auch gesellschaft­liche. Du berechnest, wie hoch Steuern oder CO₂-Preise sein müssten, damit Klima-, Umwelt- und Gesundheits­kosten im Preis sichtbar werden – und wie man verhindert, dass Menschen mit geringem Einkommen übermäßig belastet werden.


Infrastruktur, Investitionen & knappe öffentliche Mittel

  • Kosten-Nutzen-Analysen großer Verkehrs­projekte: Neue Bahnstrecke, Brückensanierung, Autobahnausbau, Radschnellweg oder digitalisierte Stellwerke: öffentliche Mittel sind begrenzt. Du berechnest, ob die gesellschaft­lichen Vorteile – etwa Zeitersparnis, weniger Unfälle, bessere Erreichbarkeit oder geringere Emissionen – die Milliardenkosten rechtfertigen. Und du erkennst, wann Projekte schön gerechnet werden.
  • Schiene, Netze & Regulierung: Schienennetze sind teuer, langlebig und schwer zu duplizieren. Deshalb funktionieren sie anders als normale Märkte. Du analysierst, wie Trassenpreise gesetzt werden müssen, also die Preise, die Bahn­unter­nehmen für die Nutzung der Schienen zahlen. Ziel ist ein System, in dem Wettbewerb möglich bleibt, die Infrastruktur aber trotzdem finanz­iert und erhalten wird.
  • Public Private Partner­ships: Manche Straßen, Tunnel, Brücken oder Terminals werden gemeinsam von Staat und privaten Unter­nehmen finanz­iert. Du prüfst, wann solche Modelle sinnvoll sind – und wann Risiken nur scheinbar ausgelagert werden, die Öffentlichkeit am Ende aber trotzdem zahlt.


Klima, Umwelt & gesellschaft­liche Teilhabe

  • Verkehrs­wende & Emissionsreduktion: Der Verkehrs­sektor gehört zu den Bereichen, in denen die CO₂-Emissionen besonders schwer zu senken sind. Du vergleichst Maßnahmen wie Tempolimit, City-Maut, CO₂-Preis, Kerosinsteuer, Schienenausbau, bessere Radinfrastruktur oder Förderung der E-Mobilität – und berechnest, welcher Mix am meisten bewirkt.
  • Erreichbarkeit & soziale Teilhabe: Mobilität entscheidet darüber, ob Menschen zur Ausbildung kommen, Jobs erreichen, Freund*innen treffen oder ärztliche Versorgung nutzen können. Wer auf dem Land lebt, kein Auto hat oder sich hohe Mobilitätskosten nicht leisten kann, ist schnell benachteiligt. Du misst, wie Verkehrs­investitionen die Erreichbarkeit für verschiedene Gruppen verändern – und ob sie Ungleich­heit abbauen oder verstärken.
  • Lärm, Luftqualität & Gesundheit: Verkehr verursacht nicht nur CO₂, sondern auch Feinstaub, Stickoxide, Lärm und Unfallrisiken. Diese Kosten tauchen oft nicht direkt im Preis einer Fahrt auf, betreffen aber die gesamte Gesellschaft. Du bewertest, welche Maßnahmen Gesundheit und Lebens­qualität verbessern – und wo sie den größten Nutzen stiften.


Logistik, Lieferketten & Resilienz

  • Güterverkehr & Lieferketten: Nicht nur Menschen müssen mobil sein, sondern auch Waren: Lebens­mittel, Medikamente, Ersatzteile, Pakete oder Industrieprodukte. Du analysierst, wie Lkw, Bahn, Binnen­schiff, Luftfracht und Häfen zusammenspielen – und welche Trans­portketten effizient, zuverlässig und klima­freundlich sind.
  • Letzte Meile in der Stadt: Onlinehandel verändert den Stadtverkehr. Immer mehr Pakete müssen schnell zugestellt werden, oft in ohnehin überlasteten Straßen. Du unter­suchst, ob Mikrodepots, Lastenräder, Paketstationen oder gebündelte Lieferungen helfen können, Verkehr und Emissionen zu reduzieren.
  • Robuste Verkehrs­netze: Extremwetter, Pandemien, Baustellen, Streiks oder geopolitische Krisen können Verkehrs­netze und Lieferketten empfindlich treffen. Du analysierst, wo Systeme verwundbar sind – und wie man sie so gestaltet, dass sie auch unter Stress funktionieren.

Deine Arbeitgeber (Auswahl)

Europäische und Nationale Politik & Regulierung: 

  • Europäische Kommission (GD Mobilität und Verkehr – DG MOVE)
  • Bundes­ministerium für Verkehr (BMV) und Verkehrs­ministerien der Länder
  • Kommunen, Stadtverwaltungen und Verkehrs­verbünde
  • Bundes­netzagentur, insbesondere im Bereich Eisenbahnregulierung
  • Monopol­kommission
  • Autobahn GmbH des Bundes
  • Bundes­anstalt für Straßen- und Verkehrs­wesen (BASt)
  • Deutsche Zentrum für Schienenverkehrs­forschung (DZSF) beim Eisenbahn-Bundes­amt


Internationale Organisationen:

  • OECD (International Trans­port Forum – ITF)
  • Weltbank / Trans­port Global Practice
  • Europäische Investitions­bank (EIB)
  • Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD)
  • Internationale Energieagentur (IEA), insbesondere zu Verkehr und Energie


Forschung und Think Tanks:

  • Universitäten im In- und Ausland
  • DIW Berlin (Abteilung Verkehr, Energie und Umwelt)
  • ifo Institut
  • RWI – Leibniz-Institut für Wirtschafts­forschung
  • Fraunhofer-Institute (z. B. ISI, IML oder IVI)
  • Institut für Verkehrs­forschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
  • Agora Verkehrs­wende
  • International Council on Clean Trans­portation (ICCT)


Privatwirtschaft, Beratung & Tech:

  • Ökonomische Beratungen mit Infrastruktur- und Regulierungs­schwerpunkt (z. B. Frontier Economics, E.CA Economics oder Copenhagen Economics)
  • Mobilitäts- und Verkehrs­beratungen (z. B. IGES Mobility, KCW oder Intraplan)
  • PD – Berater der öffentlichen Hand
  • Strategie- und Management­beratungen mit Mobility Practices (z. B. McKinsey, BCG, Roland Berger oder Oliver Wyman)
  • Deutsche Bahn, Verkehrs­verbünde und kommunale Verkehrs­unter­nehmen
  • Flughafenbetreiber und Hafenbetreiber
  • Logistikkonzerne (z. B. DHL, DB Schenker oder Kühne+Nagel)
  • Mobilitäts-Start-ups und Plattformen (z. B. in den Bereichen Carsharing, Ridepooling, Ladeinfrastruktur oder Logistiksoftware)

Mehr erfahren: Deep Dive (Auswahl)

Du willst mehr darüber wissen, was genau Verkehrs­ökonom*innen machen und wie sie denken? Hier sind 3 Standard­werke, die Forschung und Politik geprägt haben: 

  1. Kenneth Button: Trans­port Economics
    (Das internationale Standard­werk der Verkehrs­ökonomik. Es zeigt, wie ökonomische Analyse auf Mobilität angewendet wird: von Staus und Infrastruktur über Umweltkosten bis zur Regulierung von Verkehrs­branchen. Wer verstehen will, warum Verkehrs­märkte oft nicht von allein gut funktionieren, findet hier die Grundlagen.)
  2. Wilfried Stock & Tobias Bernecker: Verkehrs­ökonomie – Eine volkswirtschaft­lich-empirische Einführung in die Verkehrs­wissenschaft
    (Ein deutschsprach­iges Lehr­buch, das Theorie, Empirie und Verkehrs­politik verbindet. Es erklärt zentrale Begriffe, Daten und Methoden der Verkehrs­ökonomik und zeigt, wie man Verkehrs­probleme volkswirtschaft­lich unter­sucht – von Kosten-Nutzen-Analysen bis zur Rolle des Staates im Verkehrs­markt.)
  3. Kenneth A. Small, Erik T. Verhoef & Robin Lindsey: The Economics of Urban Trans­portation
    (Ein moderner Klassiker der Verkehrs­ökonomik. Das Buch erklärt, warum Städte besonders schwierige Mobilitäts­probleme haben: Staus, knappe Flächen, Umweltbelastungen, ÖPNV-Finanzierung, E-Mobilität, Ride-Hailing und autonomes Fahren. Besonders stark ist es dort, wo ökonomische Modelle direkt auf politische Entscheidungen treffen.)


Zwei Empfehlungen für Fortgeschrittene:

  1. Anthony Downs: Still Stuck in Traffic
    (Ein Klassiker zur Frage, warum Staus so hartnäckig sind. Downs zeigt, warum neue Straßen allein Stau­probleme oft nicht lösen – und warum Verkehrs­politik immer auch mit Verhalten, Anreizen und Stadt­entwicklung zu tun hat.)
  2. International Trans­port Forum: Trans­port Outlook
    (Der regelmäßig erscheinende Bericht des International Trans­port Forum zeigt, wie sich Personen- und Güterverkehr weltweit entwickeln könnten – und welche politischen Entscheidungen darüber bestimmen, ob Mobilität künftig nachhaltiger wird. Besonders spannend für alle, die Verkehr nicht nur national, sondern global verstehen wollen.)


Studierende der Universität Mannheim haben über die Universitäts­bibliothek online-Zugriff auf die Volltexte des zweit-, viert- und fünftgenannten Titels (und vieler mehr) sowie auf gedruckte Ausgaben der beiden weiteren Titel. 

Tipps für Schüler*innen: Bei den meisten online-Buchhändlern erhältst du eine kurze Leseprobe inklusive der Gliederung. Oft kannst du auch über Fernleihe in deiner lokalen Bibliothek ein Exemplar beschaffen lassen. Bist du neugierig, wie vielfältig die Literatur ist, die Mannheimer Studierenden in diesem Bereich zur Verfügung steht? Mache eine Recherche über unseren Bibliothekskatalog!