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Umweltökonom*in: Weil moralische Appelle allein das Klima nicht retten.

Deine Mission

Der Klimawandel ist das größte Markt­versagen der Menschheits­geschichte. Wenn Umweltverschmutzung nichts kostet, wird sie nicht aufhören. Als Umweltökonom*in weißt du: Appelle reichen nicht, wir brauchen ökonomische Hebel. Du designst Systeme, die CO2 einen Preis geben, grüne Innovationen profitabel machen und gleich­zeitig dafür sorgen, dass der Klimaschutz sozial gerecht bleibt und nicht einseitig die Ärmsten trifft.

Deine Aufgaben (Auswahl)

CO2-Bepreisung & Markt­design

  • Externalitäten internalisieren: Der Klimawandel ist das größte Markt­versagen der Geschichte. Du berechnest die „Social Cost of Carbon“ (die echten gesellschaft­lichen Kosten einer Tonne CO2) und entwickelst Zertifikatehandels­systeme (wie das EU-ETS) weiter, damit Klimaschutz­maßnahmen exakt dort ansetzen, wo es am effizientesten ist.
  • Steuern vs. Zertifikate: Du evaluierst, welches Instrument schneller wirkt: Eine feste CO2-Steuer oder eine harte, politisch festgelegte Mengenbegrenzung (Cap and Trade).


Klima­gerechtigkeit & Verteilungs­effekte

  • Das Klimageld: Wer zahlt für die Trans­formation? Du nutzt Mikrodaten, um zu berechnen, wie Staaten Einnahmen aus der CO2-Bepreisung so an die Bürger*innen zurückgeben können, dass Geringverdienende (die relativ zum Einkommen mehr für Strom und Heizung zahlen) entlastet werden.
  • Carbon Leakage: Du analysierst, wie man verhindern kann, dass emissionsintensive Industrien zur Kostenvermeidung ins Ausland abwandern (z. B. durch Grenzausgleich­sabgaben / Carbon Border Adjustment Mechanism CBAM).


Internationale Klimaabkommen & Spieltheorie

  • Das Trittbrettfahrer-Problem (Free-Riding): Warum bringen internationale Klimakonferenzen so oft nur bescheidene Resultate oder scheitern ganz? Du nutzt Spieltheorie, um zu erklären, warum es für einzelne Staaten rational ist, nichts zu tun, wenn andere das Klima retten – und wie man stabile Klima-Clubs mit Sanktions­mechanismen designt.
  • Klimafinanzierung: Du modellierst Mechanismen, wie der Globale Norden den Globalen Süden für Klimaschäden kompensieren kann, ohne Fehlanreize zu setzen.


Grüne Innovationen & Anreize für Forschung und Entwicklung

  • Subventions-Effizienz: Wie bringt man Unter­nehmen dazu, in Clean-Tech zu investieren? Du berechnest, welche staatlichen Forschungs­prämien Innovationen am stärksten pushen, ohne Steuermilliarden an Konzerne zu verschwenden, die ohnehin geforscht hätten (Mitnahmeeffekte).
  • Strom­markt­design der Zukunft: Wind und Sonne sind zwar kostenlos, aber nicht immer verfügbar – und der Strom muss oft über große Distanzen trans­portiert werden. Du entwickelst neue Markt­mechanismen, die private Investitionen in den Ausbau von Trans­portnetzen lenken. Und du designst funktionierende Anreiz­systeme für den Aufbau ausreichend großer Energiespeicher.


Makro-Schäden & Anpassungs­kosten

  • Klimafolgenabschätzung: Du arbeitest mit komplexen IAMs (Integrated Assessment Models). Damit berechnest du, wie viel Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den nächsten Jahrzehnten durch Extremwetter, Ernteausfälle und steigende Meeresspiegel vernichtet wird. Und du arbeitest an volkswirtschaft­lichen Anpassungs­strategien (Adaptation), wie Gesellschaften ökonomisch auf diese Herausforderungen reagieren können.
  • Finanz­märkte & Klimarisiken („Stranded Assets“): Was passiert mit der Weltwirtschaft, wenn der Umstieg auf Erneuerbare gelingt und giganti­sche Kohle- und Ölreserven plötzlich massiv an Wert verlieren? Du modellierst, welche Aus­wirkungen solche „Stranded Assets“ haben, entwickelst Instrumente zur gezielten Förderung grüner Investitionen (Green Finance) und designst Regulierungen, die verhindern, dass die Systemrisiken des Klimawandels an einem Kipppunkt die nächste globale Finanz­krise auslösen.

Deine Arbeitgeber (Auswahl)

Europäische und Nationale Politik & Regulation:

  • Europäische Kommission (Generaldirektion Klimapolitik – DG CLIMA & Generaldirektion Umwelt – DG ENV)
  • Bundes­ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sowie die Ministerien der Länder
  • Umweltbundes­amt (UBA)
  • Bundes­netzagentur (BNetzA – zentral für die Trans­formation der Strom- und Gasnetze)


Internationale Organisationen & Global Climate Finance:

  • UN-Klimasekretariat (UNFCCC – Organisation der Weltklimakonferenzen)
  • Weltbank (Climate Change Group)
  • OECD (Umweltdirektorat)
  • Europäische Zentralbank (EZB) & Deutsche Bundes­bank (Klimarisiko-Analyse und Green Finance)


Energieversorgung, Industrie, Consulting & Green Finance:

  • Globale Energieversorger und Cleantech-Unter­nehmen
  • Strategie­beratungs­unter­nehmen
  • Große Rück­versicherungen und Banken


Top-Forschung, Think Tanks & NGOs:

  • Universitäten im In- und Ausland
  • Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) (inklusive dem früheren Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC))
  • Wirtschafts­forschungs­institute (z. B. ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschafts­forschung in Mannheim)
  • Data- und Policy-Teams großer NGOs (z. B. WWF, Greenpeace, Germanwatch)

Mehr erfahren: Deep Dive (Auswahl)

Du willst mehr darüber wissen, was genau Umweltökonom*innen machen und wie sie denken? Hier sind 3 Standard­werke, die Forschung und Politik geprägt haben: 

  1. William Nordhaus: The Climate Casino: Risk, Uncertainty, and Economics for a Warming World
    (Nordhaus ist VWL-Nobelpreisträger und erklärt brillant, warum CO2 einen Preis braucht)
  2. Alfred Endres, Dirk Rübbelke: Umweltökonomie
    (Eines der deutschsprach­igen Standard­werke zu Instrumenten der Umweltpolitik wie Steuern und Zertifikaten)
  3. Partha Dasgupta: The Economics of Biodiversity: The Dasgupta Review
    (Eine bahnbrechende Studie darüber, wie wir den Wert der Natur in unsere Wirtschafts­modelle integrieren müssen)

Studierende der Universität Mannheim haben über die Universitäts­bibliothek online-Zugriff auf die Volltexte aller drei genannten Titel (und vieler mehr). 

Tipps für Schüler*innen: Bei den meisten online-Buchhändlern erhältst du eine kurze Leseprobe inklusive der Gliederung. Oft kannst du auch über Fernleihe in deiner lokalen Bibliothek ein Exemplar beschaffen lassen. Bist du neugierig, wie vielfältig die Literatur ist, die Mannheimer Studierenden in diesem Bereich zur Verfügung steht? Mache eine Recherche über unseren Bibliothekskatalog!