Gesundheitsökonom*in: Weil ein gutes Gesundheitssystem Expert*innen braucht.
Deine Mission
Warum muss deine Oma monatelang auf einen Facharzttermin warten, während die Kosten für das Gesundheitssystem jedes Jahr weiter steigen? Das Problem lässt sich nicht lösen, indem man einfach „mehr Geld“ in das System pumpt. Als Gesundheitsökonom*in analysierst du, wo Fehlanreize zu Über- oder Unterversorgung führen. Du gestaltest die Architektur von Gesundheitssystemen so, dass medizinische Innovationen bezahlbar bleiben und knappe Ressourcen genau dort ankommen, wo sie am meisten bewirken.
Deine Aufgaben (Auswahl)
Anreizsysteme & Versorgung (Mechanism Design)
- Wartezeiten & Fallpauschalen: Du analysierst datenbasiert, warum Ärzt*innen bestimmte Behandlungen bevorzugen. Wie müssen Vergütungssysteme designt werden, damit Patient*innen optimal versorgt werden, ohne dass Termine künstlich verknappt oder unnötige OPs durchgeführt werden?
- Krankenhausplanung: Du berechnest, ob viele kleine Kliniken oder wenige hochspezialisierte Zentren die Behandlungserfolge für Patient*innen (und die Kosten-Effizienz) erhöhen.
Demografie & Generationengerechtigkeit
- Pflege-Finanzierung: Die Gesellschaft altert rapide. Du berechnest Makro-Modelle, um Pflege- und Krankenversicherungen finanziell stabil und generationengerecht zu gestalten.
- Arbeitsmarkt & Gesundheit: Du misst die volkswirtschaftlichen Kosten von mentalen Erkrankungen oder Long-COVID und evaluierst betriebliche Gesundheits-Incentives.
Pharma, Innovation & globale Märkte
- Kosten-Nutzen-Bewertungen: Wie viel darf ein neues Krebsmedikament kosten? Du entwickelst gesundheitsökonomische Evaluationen, die entscheiden, ob Krankenkassen neue (und extrem teure) Therapien erstatten dürfen.
- Patentschutz vs. Zugang: Du balancierst das Marktdesign aus: Wie hoch müssen Monopolgewinne durch Patente sein, um Forschung anzureizen, ohne dass lebensrettende Medikamente für (nicht nur) den Globalen Süden unbezahlbar werden?
Prävention & Verhaltensökonomie (Nudging)
- Steuern auf Ungesundes: Ist eine Zuckersteuer sinnvoll? Du misst mit kausalen Methoden, welche Preiseffekte Menschen dazu bringen, gesünder zu leben, und somit auch Folgekosten für das System zu reduzieren.
- Entscheidungsarchitektur: Du designst „Nudges“ (sanfte Stupser), um z. B. die Organspendebereitschaft oder Impfquoten in der Bevölkerung zu erhöhen, ohne Zwang oder Druck auszuüben.
Pandemien & Krisenresilienz
- Lockdown-Ökonomie: Du modellierst die harten Trade-offs: Wie wägt man die wirtschaftlichen und sozialen Kosten der Schließung von Einrichtungen gegen den direkten gesundheitlichen Nutzen (Infektionsschutz) ab?
- Globale Allokation & Impfstoff-Märkte: Wenn in einer Krise Impfstoffe oder Intensivbetten extrem knapp sind, wie werden sie verteilt? Du entwirfst Allokationsmechanismen (Verteilungsregeln), die medizinische Ethik mit ökonomischer Effizienz verbinden, und analysierst, wie internationale Lieferketten für kritische Medikamente krisenfest gemacht werden.
Deine Arbeitgeber (Auswahl)
Europäische und Nationale Politik & Regulation:
- Europäische Kommission (Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit – GD SANTE)
- Gesundheitsministerien des Bundes und der Länder
- Robert Koch-Institut (RKI)
- Gemeinsamer Bundesausschuss (die mächtigste Institution im deutschen Gesundheitswesen, die maßgeblich entscheidet, welche Behandlungen und Vorsorgeuntersuchungen von den Krankenkassen bezahlt werden)
- GKV-Spitzenverband (Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen)
Internationale Organisationen & Global Health:
- Weltgesundheitsorganisation (WHO)
- OECD (Gesundheitsabteilung)
- Weltbank (Global Health Practice)
- NGOs und Stiftungen (bspw. Bill & Melinda Gates Foundation, Robert Bosch Stiftung)
Pharma, Kliniken, MedTech, Krankenkassen, Strategieberatungen & Digital Health:
- Global tätige Pharma-Unternehmen und große Klinikverbünde
- gesetzliche und private Krankenversicherungen
- große Strategieberatungsunternehmen
- Telemedizin-Start-ups etc.
Top-Forschung:
- Universitäten im In- und Ausland
- Forschungsinstitute (z. B. IGES, RWI)
- Think Tanks
Mehr erfahren: Deep Dive (Auswahl)
Du willst mehr darüber wissen, was genau Gesundheitsökonom*innen machen und wie sie denken? Hier sind 3 Standardwerke, die Forschung und Politik geprägt haben:
- Friedrich Breyer, Peter Zweifel, Mathias Kifmann: Gesundheitsökonomik
(Eines der Standardwerke im deutschsprachigen Raum zu Anreizen im Gesundheitssystem) - Michael Grossman: The Demand for Health: A Theoretical and Empirical Investigation
(Der internationale Klassiker, der Gesundheit als „Kapital“ definiert, in das Menschen investieren) - Bhattacharya, Hyde, Tu: Health Economics
(Modern, international und starker Fokus auf Daten und globale Systeme)
Studierende der Universität Mannheim haben über die Universitätsbibliothek online-Zugriff auf die Volltexte der beiden erstgenannten Titel (und vieler mehr) sowie gedruckte Exemplare des dritten Titels.
Tipps für Schüler*innen: Bei den meisten online-Buchhändlern erhältst du eine kurze Leseprobe inklusive der Gliederung. Oft kannst du auch über Fernleihe in deiner lokalen Bibliothek ein Exemplar beschaffen lassen. Bist du neugierig, wie vielfältig die Literatur ist, die Mannheimer Studierenden in diesem Bereich zur Verfügung steht? Mache eine Recherche über unseren Bibliothekskatalog!