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Entwicklungs­ökonom*in: Weil gute Absichten allein keine Armut beenden.

Deine Mission

Milliarden an Geldern fließen jedes Jahr in den Globalen Süden – doch zu oft versickern sie mit zu wenig Wirkung. Und viele gut gemeinte Projekte scheitern an der lokalen Realität. Wenn du globalen Impact willst, reicht Bauchgefühl nicht aus. Als Entwicklungs­ökonom*in nutzt du Daten und führst Feldexperimente durch, um herauszufinden, welche Maßnahmen tatsächlich helfen und zu nachhaltigen Verbesserungen führen können.

Deine Aufgaben (Auswahl)

Evidenz­basierte Armutsbekämpfung (Feldexperimente)

  • Verhaltensökonomie vor Ort: Du analysierst lokale Anreize. Warum schicken Eltern ihre Kinder selbst dann nicht zur Schule, wenn sie kostenlos ist? Du designst „Nudges“ (sanfte Anreize wie Schulmahlzeiten oder Entwurmungs­pillen), die Schulabbrecherquoten messbar und kostengünstig senken.
  • Wirkungs­messung (Randomized Controlled Trials): Du testest entwicklungs­ökonomische Maßnahmen methodisch. Beispiel: kostenlose Moskitonetze, Bildungs­stipendien oder direkte Geldtrans­fers (Unconditional Cash Trans­fers) – was bringt mehr? Du berechnest nachvollziehbar, wo ein investierter Euro den größten Hebel hat.


Institutionen, Governance & Korruption

  • Warum Nationen scheitern: Du unter­suchst die „Spielregeln“ einer Gesellschaft (Institutionen­ökonomik). Wie müssen Eigentumsrechte staatlich garanti­ert sein, damit Kleinbauern überhaupt den Mut haben, langfristig in ihr Land zu investieren?
  • Korruptions­bekämpfung: Du designst Mechanismen für öffentliche Auftragsvergaben und internationale Hilfsgelder so, dass Korruption und Schattenwirtschaft ausgetrocknet werden und die Fördergelder tatsächlich bei den Ärmsten ankommen.


Produktivität, Mikrofinanzierung & Gender

  • Kreditmärkte & Mikrofinanzierung: Du analysierst, warum klassische Banken­systeme im Globalen Süden oft versagen. Du evaluierst die Wirksamkeit von Mikrokrediten und mobilen Bezahl­systemen (z. B. M-Pesa), um kleine Start-ups und Handwerksbetriebe vor Ort zu finanz­ieren.
  • Women's Empowerment: Du misst den enormen wirtschaft­lichen Hebel der Gleich­berechtigung. Wie stärkt man den ökonomischen Einfluss von Frauen, und wie verändert exakt das die Gesundheit, Bildung und Produktivität der gesamten nächsten Generation?


 Globale Märkte, Handel & Lieferketten

  • Handels­schocks & Freihandel: Gewinnen Entwicklungs­länder wirklich durch den Abbau von Zöllen? Du modellierst die Aus­wirkungen von Handels­abkommen auf lokale Arbeits­märkte, Löhne und Armutsquoten.
  • Ausländische Direktinvestitionen: Du analysierst, unter welchen ökonomischen und rechtlichen Bedingungen Fabriken westlicher Konzerne im Globalen Süden tatsächlich zu einem Technologietrans­fer und zu besseren Arbeits­bedingungen führen.


Makroökonomie, Schulden & Klimaschocks

  • Staats­verschuldung & IWF-Programme: Du modellierst die makro­ökonomischen Folgen von Schuldenkrisen in Schwellenländern. Wie müssen Schuldenschnitte und IWF-Rettungs­pakete designt sein, um die Inflation zu stoppen, ohne das Wirtschafts­wachstum auszubremsen?
  • Klimaresilienz im Globalen Süden: Extremwetter trifft die Ärmsten am härtesten. Du entwickelst ökonomische Konzepte für globale Klima­versicherungen und Subventions­strategien, damit sich die Landwirtschaft im Globalen Süden an Dürren und Über­schwemmungen anpassen kann.

Deine Arbeitgeber (Auswahl)

Nationale & Europäische Entwicklungs­politik: 

  • EU-Kommission (Generaldirektion INTPA)
  • Bundes­ministerium für wirtschaft­liche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
  • Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)


Internationale Finanz­institutionen: 

  • Weltbank (World Bank Group)
  • Internationaler Währungs­fonds (IWF)
  • regionale Entwicklungs­banken (z. B. African Development Bank, Asian Development Bank, Inter-American Development Bank)


UN-Organisationen: 

  • Entwicklungs­programm der Vereinten Nationen (UNDP)
  • UN Welternährungs­programm (WFP)
  • UNICEF


NGOs & Philanthropie: 

  • Bill & Melinda Gates Foundation
  • Oxfam
  • Innovations for Poverty Action (IPA)
  • Abdul Latif Jameel Poverty Action Lab (J-PAL)


Top-Forschung & Think Tanks:

  • Universitäten im In- und Ausland
  • German Institute of Development and Sustainability (IDOS)
  • Center for Global Development (CGD)

Mehr erfahren: Deep Dive (Auswahl)

Du willst mehr darüber wissen, was genau Entwicklungs­ökonom*innen machen und wie sie denken? Hier sind 3 internationale Standard­werke, die Forschung und Politik geprägt haben: 

  1. Abhijit Banerjee & Esther Duflo: Poor Economics: A Radical Rethinking of the Way to Fight Global Poverty
    (Die beiden VWL-Nobelpreisträger*innen haben die Entwicklungs­ökonomie revolutioniert. Sie zeigen, wie man mit Feldexperimenten herausfindet, wie die Ärmsten der Welt tatsächlich wirtschaft­liche Entscheidungen treffen.)
  2. Daron Acemoglu & James A. Robinson: Why Nations Fail: The Origins of Power, Prosperity, and Poverty
    (Ein internationaler Bestseller (und VWL-Nobelpreis 2024!), der beweist, dass nicht Geografie oder Kultur, sondern die ökonomischen und politischen „Spielregeln“ (Institutionen) über Reichtum und Armut entscheiden.)
  3. Michael Todaro & Stephen Smith: Economic Development
    (Eines der weltweit führenden Lehr­bücher. Es verbindet makro­ökonomische Wachstums­modelle perfekt mit realen Fall­studien aus dem Globalen Süden.) 

Studierende der Universität Mannheim haben über die Universitäts­bibliothek online-Zugriff auf den Volltext des zweiten Titels (und vieler mehr) sowie gedruckte Ausgaben der beiden anderen Titel. 

Tipps für Schüler*innen: Bei den meisten online-Buchhändlern erhältst du eine kurze Leseprobe inklusive der Gliederung. Oft kannst du auch über Fernleihe in deiner lokalen Bibliothek ein Exemplar beschaffen lassen. Bist du neugierig, wie vielfältig die Literatur ist, die Mannheimer Studierenden in diesem Bereich zur Verfügung steht? Mache eine Recherche über unseren Bibliothekskatalog!