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Photo credit: Anna Logue

Ringvorlesung im Frühjahr-/Sommersemester 2019

Umweltökonomik

Die Menschen sind sich mehr und mehr der Tatsache bewusst, dass ihre eigene Zukunft und die Zukunft ihrer Nachkommen ganz wesentlich vom künftigen Zustand der natürlichen Umwelt abhängig ist. Die Volkswirtschaftslehre und hier speziell die Umweltökonomik kann mit ihren Konzepten und Methoden in vielfältiger Weise zum Verständnis der grundlegenden Problematiken beitragen sowie effektive und effiziente Lösungsansätze beisteuern.

Im Frühjahr-/Sommersemester 2019 werden sechs geladene Referentinnen und Referenten aktuelle Themen der Umweltökonomik beleuchten und dabei neben ihrem Vortrag auch Gelegenheit zur Diskussion geben. Die Veranstaltungen 1 bis 5 finden jeweils von 19:00 bis 20:30 Uhr in Hörsaal SN 169 im Schlossgebäude statt. Die sechste Veranstaltung findet von 19:00 bis 20:30 Uhr in Hörsaal M 003 im Mittelbau des Schlossgebäudes statt.

20. Februar 2019:
Prof. Dr. Florian Diekert:

“Effects of tipping points in the climate and other natural resource systems”


Abstract:

Viele natürliche Ressourcen waren durch komplexe ökologische Prozesse bestimmt, die Kipppunkte aufweisen können. Das Überschreiten eines solchen Klipppunktes kann desaströse und zum Teil unwiderrufliche Konsequenzen haben. So hat sich zum Beispiel der Dorschbestand vor der Ostküste Kanadas nach dem Zusammenbruch Anfang der 90’er Jahre bis heute nicht erholt. Auch der Dorschbestand vor der Ostküste Norwegens stand Ende der 80’er am Rande des Kollapses. Hier hat aber ein Zusammenspiel von verändertem Fangverhalten und günstiger Umweltentwicklung den Trend gewendet. Heute ist der norwegische Dorschbestand der größte der Welt. In der Tat stellen Kipppunkte nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine Chance dar. Im Rahmen des Vortrags werden fremde und eigene wirtschaftswissenschaftliche Forschungen zu diesem Thema vorgestellt. Und es wird der Frage nachgegangen, unter welchen Voraussetzungen ein drohender Kipppunkt als Anlass genommen werden kann zusammenzustehen oder aber – in einer Art „Torschlusspanik“ – jeder nach dem greift, was er noch für sich herausholen kann.


Referent:

Prof. Dr. Florian Diekert ist als Juniorprofessor am Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Heidelberg tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Gebieten der Umweltökonomie und Spieltheorie. Diekert studierte Umwelt- und Entwicklungsökonomie an der Universität Oslo. Dort lehrte und forschte er nach seiner Promotion im Jahr 2011 an der Fakultät für Sozialwissenschaften sowie an der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften. Aufenthalte als Gastwissenschaftler führten ihn an die Columbia University in New York und an die University of California in Santa Barbara.  Im September 2016 nahm er den Ruf an die Universität Heidelberg an.

6. März 2019:
Prof. Dr. Stefan Baumgärtner:
“Natur als Versicherung”


Abstract:

Menschen nutzen und wertschätzen die Natur in vielfältiger Weise. Funktionierende Ökosysteme stellen nicht nur wertvolle Leistungen vor Überflutung oder Krankheit dar. Sie sorgen auch dafür, dass diese Leistungen sicher sind. Diese Versicherungsleistung, die Ökosysteme für risiko-averse Nutzer Ihrer Leistungen erbringen, lässt sich mit mikroökonomischen Methoden einfach konzeptionalisieren und bewerten. In diesem Vortrag wird der Versicherungswert der Natur für den Menschen erläutert. Als konkrete Beispiele werden betrachtet
(1) die Biodiversität an wilden Bestäuber-Insekten für die Mandelproduktion in Kalifornien und
(2) die Resilienz des Grundwassersystems für die landwirtschaftliche Produktion im Goulburn-Broken-Gebiet in Australien.


Referent:

Prof. Dr. Stefan Baumgärtner ist Inhaber des Lehrstuhls für Umweltökonomie und Ressourcenmanagement der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen auf dem Gebiet der Umwelt- und Ressourcenökonomik und der Ökologischen Ökonomik, mit einem Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit. Zudem ist Baumgärtner als wissenschaftlicher Berater für verschiedene politische Verantwortungsträger tätig, darunter die Europäische Kommission, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie verschiedene Einrichtungen der Republik Namibia.

20. März 2019:
Prof. Dr. Ulrike Grote:
”Auswirkung von Digitalisierung auf die Nachhaltigkeit”

 

Abstract:

Die Digitalisierung schreitet schnell voran. Sie führt zur Wissensexplosion, zur Entstehung von virtuellen Räumen und macht viele Dinge smart (smart cities, smart homes, climate-smart agriculture). Aber wie smart ist die Digitalisierung wirklich, wenn es um unsere Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft geht? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Nachhaltigkeit? Vermag die Digitalisierung die 17 Nachhaltigkeitsziele zu befördern? Kann sie zur Ernährung von gut 10 Milliarden Menschen beitragen und gleichzeitig die planetaren Leitplanken einhalten? Auf diese und ähnliche Fragen geht Frau Prof. Grote in ihrem Vortrag ein. Sie ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) und gibt einen ersten Einblick in das nächste WBGU Hauptgutachten zum Thema Digitalisierung und Nachhaltigkeit, das 2019 veröffentlicht wird.


Referentin:

Prof. Dr. Ulrike Grote ist seit 2006 Professorin an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Leibniz Universität Hannover und Direktorin des dortigen Instituts für Umweltökonomie und Welthandel. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Umwelt- und Entwicklungsökonomie sowie internationaler Handel. Sie promovierte in Kiel und habilitierte sich in Bonn. Zuvor arbeitete sie mehrere Jahre bei internationalen Organisationen wie der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) in Manila und der OECD in Paris. Sie ist Senior Fellow am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) in Bonn, Mitglied des European Development Research Network (EUDN) und des Entwicklungsökonomischen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik.

3. April 2019:
Prof. Dr. Katrin Rehdanz:
“Naturschutz und Ökonomie: Wie passt das zusammen?”


Abstract:

Die Natur liefert den Menschen die Grundlagen des Lebens: Güter wie Nahrung und Holz, Leistungen wie sauberes Wasser, Pflanzenbestäubung und natürlichen Hochwasserschutz. In vielen Fällen ignoriert die Gesellschaft, dass die Leistungen der Natur (sogenannte Ökosystemleistungen) schützenswert sind. Als Folge werden bei Entscheidungen, die auch Leistungen der Natur betreffen, diese nicht immer ausreichend berücksichtigt. In ihrem Vortrag zeigt Prof. Rehdanz auf, welche Möglichkeiten und Grenzen es gibt, die Einstellungen der Menschen für die Leistungen der Natur zu analysieren. Anhand von Beispielen wird verdeutlicht, wie umfassende Werte hergeleitet werden und wie diese Informationen der Bevölkerung und den gesellschaftlichen Entscheidungsträgern helfen können, eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen.


Referentin:

Prof. Dr. Katrin Rehdanz ist Professorin für Umwelt- und Energieökonomik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg studiert und war Doktorandin der Forschungsstelle Nachhaltige Umweltentwicklung der Uni Hamburg. Ende 2007 ist sie zunächst als Juniorprofessorin für Umwelt- und Ressourcenökonomik an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gewechselt. Bis 2012 hat sie die Nachwuchsforschergruppe „Valuing the Ocean“ im Exzellenzcluster „Future Ocean“ geleitet. Seit Ende 2016 ist sie Direktorin des Instituts für Umwelt-, Ressourcen- und Regionalökonomik. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der quantitativen Umwelt- und Energieökonomik. Sie ist eine der wenigen Ökonominnen in Deutschland, die im Bereich der Umweltbewertung arbeiten.

10. April 2019:
Prof. Dr. Gernot Klepper:

“Welche Rolle spielt die Bioenergie in der Energiewende und im Klimaschutz?”


Abstract:

Um die Ziele des Pariser Übereinkommens erreichen zu können, bedarf es der Ausschöpfung alle Einsparungspotentiale für Treibhausgase (THG). Einen wichtigen Beitrag dazu kann die Bioenergie liefern. Allerdings ist ihr Einsatz umstritten, weil eine Ausweitung der Bioenergienutzung mit einer Vielzahl von trade-offs verbunden ist: Knappe Flächen fruchtbaren Lands werden der Produktion von Nahrungsmitteln entzogen, ökosystemare Dienstleistungen gehen verloren, wenn bisher ungenutzte Naturflächen zu Energieplantagen umgewandelt werden, eine Zunahme von Importen von Biomasse aus Entwicklungsländern wird als Klimaschutz reicher Länder auf Kosten armer Länder angesehen. Es ist auch unklar, wie groß die THG-Einsparung verschiedener Biomassenutzungen zur Energieerzeugung ist, wenn die indirekten Landnutzungsänderungen in den THG-Bilanzen berücksichtigt werden. Schließlich kann Bioenergie bei den vom IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) als erforderlich angesehenen „negativen Emissionen“ eine wichtige Rolle spielen.


Referent:

Prof. Dr. Gernot Klepper forscht am Institut für Weltwirtschaft, wo er für viele Jahre Leiter des Forschungsbereichs „Umwelt und natürliche Ressourcen“ war. Er ist Sprecher des Kiel Earth Instituts. Klepper studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg und promovierte in Agrarökonomie an der University of Kentucky. Seine Forschungsinteressen konzentrieren sich auf den Klimaschutz mit dem Schwerpunkt Modellierung und Analyse von klimapolitischen Instrumenten. Zudem ist er in vielen Beratungs- und Netzwerkaktivitäten involviert, dazu gehören derzeit seine Tätigkeiten als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, als Vorsitzender von International Sustainability and Carbon Certification sowie als stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Klimakonsortiums.

8. Mai 2019:
Dr. Achim Hagen:

“International Environmental Agreements: Climate Coalitions and the Effect of Trade Sanctions”


Abstract:

Although there is scientific agreement on the negative effects of anthropogenic climate change, finding cooperative solutions to tackle this problem on an international level is extremely challenging due to strong free-rider incentives. Acknowledging the difficulty to reach a binding global agreement for climate change migration, a number of policy proposals have been brought forward in the economic literature on the formation of international environmental agreements. These include side payments and issue-linkage. One prominent example of issue-linkage is the idea to link the climate and the trade regime by introducing trade sanctions against outsiders of climate coalition. This mechanism has been prominently examined by the Nobel laureate William Nordhaus, who has called such a coalition “climate club” but has neglected the possibility that outsiders might retaliate by introducing trade sanctions against the climate coalition. In this lecture we will discuss the strategic difficulties of climate coalition formation and recent developments in the field of game theoretic research on the formation of international environmental agreements. Further, we will investigate if trade sanctions against outsiders can be used to stabilize climate coalitions when outsiders retaliate.


Referent:

Dr. Achim Hagen ist Postdoc an der Resource Economics Group der Humboldt-Universität zu Berlin. Er studierte in Lüneburg, Oldenburg und Nizza und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Umwelt- und Entwicklungsökonomie an der Universität Oldenburg bevor er an die Humboldt-Universität wechselte und dort 2018 promovierte. Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem an die London School of Economics und an die Wageningen University. In seiner Forschung beschäftigt er sich vorwiegend mit internationalen Umweltabkommen und der politischen Ökonomie des Klimawandels.