Umweltökonomik

Das Fach Umwelt- und Ressourcenökonomik beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen der Umwelt und der Produktivität und Wohlfahrt einer Volkswirtschaft.

Eine grundlegende ökonomische Funktion der Umwelt ist die des Lieferanten von natürlichen Ressourcen, die seit jeher wichtige Produktions­faktoren für die Industrie sind – z. B. Energie, Mineralien oder Wasser. Die Ressourcenökonomik untersucht, wie solche Ressourcen optimal – hinsichtlich des „wann“ und „wieviel“ – genutzt werden können. Dabei wird zwischen endlichen und erneuerbaren Ressourcen unterschieden.


Preisbildung auf Ressourcenmärkten

Bei endlichen Ressourcen geht es in erster Linie darum, ob und wie rasch bekannte Rohstoffvorkommen abgebaut und konsumiert werden sollten, ohne dass es zu Wohlfahrtsverlusten kommt. Da die Nachfrage bei weltweit gehandelten Rohstoffen wie zum Beispiel Erdöl stark durch den Preis bestimmt wird, gilt das Augenmerk der Ressourcenökonomik auch der Preisbildung auf Ressourcenmärkten.

Im Gegensatz zu endlichen Ressourcen können erneuerbare Ressourcen trotz intensiver Nutzung immer wieder nachwachsen – so wie es z.B. bei Fischbeständen oder Wäldern der Fall ist.  Aus ökonomischer Sicht wird sowohl auf eine nachhaltige Nutzung der Ressource, als auch auf eine angemessene Rendite des darin gebundenen Kapitals geachtet. Diese Rendite wird durch die natürliche Wachstumsrate der Ressource bestimmt, die oft vom noch vorhandenen Bestand abhängt.


Umweltverschmutzung als negative Externalität

Die zweite grundlegende Funktion der Umwelt ist die des Aufnahmemediums für unerwünschte Nebenprodukte von Produktion und Konsum – also Abgase, Abwasser oder Müll. Ökonomisch gesehen ist die Verschmutzung der Umwelt ein freies Gut, weil es keine Markt­preise – etwa für saubere Luft, intakte Ökosysteme oder ein stabiles Klima – gibt.  Allerdings verursacht die Umweltverschmutzung enorme Schäden mit teilweise erheblichen ökonomischen Kosten. Weil der Verursacher diese Kosten nur zum geringen Teil selbst zu tragen hat und größtenteils auf andere abwälzt, stellt Umweltverschmutzung eine negative Externalität dar, die reguliert werden muss.

Die Umweltökonomik beschäftigt sich mit der Frage, wie dies ökonomisch sinnvoll gestaltet werden kann. Dazu wird zunächst durch eine Abwägung der ökonomischen Kosten und Nutzen ermittelt, welches Maß an Umweltverschmutzung gesellschaft­lich vertretbar ist. Die ökonomische Bewertung von Umweltschäden ist komplex, daher ist die Entwicklung geeigneter Bewertungs­methoden ein Schwerpunkt der Umweltökonomik.


Markt­orientierte Gegenmaßnahmen

Außerdem hat die Umweltökonomik, ähnlich der Wettbewerbsökonomik, eine starke regulatorische Ausrichtung: Durch geeignete Politikmaßnahmen soll ein Überschreiten des gesellschaft­lich gewünschten Maßes an Umweltverschmutzung verhindert werden. Der feine Unterschied zu „bloßer“ Umweltpolitik besteht darin, dieses Ziel zu minimalen Kosten zu erreichen. Vor diesem Hintergrund haben markt­orientierte Maßnahmen wie etwa der Handel mit Verschmutzungs­zertifikaten an Bedeutung gewonnen.

Von wachsender Bedeutung in der Umweltpolitik sind grenzüberschreitende Umwelt­probleme, die nur durch gemeinsame Anstrengungen mehrerer Staaten gelöst werden können. Der globale Klimawandel ist ein Paradebeispiel hierfür. In diesem Zusammenhang tritt die Rolle der kostenminimalen Ausgestaltung von Politikmaßnahmen hinter der gigantischen Herausforderung, Hunderte von Staaten trotz gegensätzlicher Anreize zur Kooperation zu bewegen. Zur Entwicklung von Lösungs­ansätzen greift die Umweltökonomik auf spieltheoretische Methoden zurück.

Interessiert? Die Abteilung VWL an der Universität Mannheim bietet in ihren Bachelor- und Master­programmen verschiedene Kurse zur Umwelt- und Ressourcenökonomik an. Darüber können Bachelor- und Master­arbeiten auf diesem Gebiet betreut werden.