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Prof. i. R. Dr. Paul Gans

Paul Gans war von Oktober 1996 bis Februar 2017 Inhaber des Lehr­stuhls für Wirtschafts­geographie, Abteilung Volkswirtschafts­lehre der Universität Mannheim.

Wohnungs­wirtschaft­liches Seminar 

Lebens­lauf

  • Curriculum Vitae (CV)

    Paul Gans, geb. 1951, war von Oktober 1996 bis Februar 2017 Inhaber des Lehr­stuhls für Wirtschafts­geographie, Abteilung Volkswirtschafts­lehre der Universität Mannheim. Nach dem Studium in Mannheim (Mathematik, Geographie) war er an verschiedenen wissenschaft­lichen Einrichtungen tätig: Geographische Institute der Universitäten Kiel und Hamburg sowie Erfurt, Leibniz-Institut für Länder­kunde in Leipzig. Er nahm mehrere Gastprofessuren in Argentinien und Chile wahr. Seine Forschungen und Projekte haben vor allem Themen zu Bevölkerung und Stadt als Schwerpunkte. Er gehörte verschiedenen Gremien an, z. B. dem Senat sowie dem Senats­ausschuss Evaluation der Leibniz-Gemeinschaft (2006–2014), dem Wissenschaft­lichen Beirat des Bundes­instituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (2010–2014), dem Kuratorium des Bundes­instituts für Bevölkerungs­forschung (2008–2017), dem Kuratorium Nationale Stadt­entwicklungs­politik des BMUB, vormals BMVBS, (2012–2015) sowie dem Wissenschaft­lichen Beirat des Leibniz-Instituts für ökologische Raum­entwicklung (2015 2021). Zudem war er Mitglied im Beirat der „Geographischen Rundschau“ sowie den Beiräten der internationalen Fach­zeitschriften „Population, Space and Place“ sowie „Comparative Population Studies“.

  • Funktionen in außeruniversitären Gremien

    • 1992-2017: Sprecher des AK „Bevölkerungs­geographie“ im Verband für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen und Forschungs­einrichtungen, (2015–2017 gemeinsam mit Prof. Dr. Rainer Wehrhan, Universität Kiel, und Prof. Dr. Birgit Glorius, TU Chemnitz)
    • 2003–2010: Korrespondierendes Mitglied der ARL – Akademie für Raum­entwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft, Hannover
    • 2003–2006: Vorsitzender des Arbeits­kreises „Räumliche Aus­wirkungen des demographischen Wandels“ der ARL – Akademie für Raum­entwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft, Hannover
    • 2005–2017 Vertrauensdozent der Konrad-Adenauer-Stiftung an der Universität Mannheim
    • Juni 2005-Juni 2007: Mitglied der Enquete-Kommission „Demographischer Wandel – Herausforderung an ein zukunfts­fähiges Niedersachsen“ des Niedersächsischen Landtags
    • 2006–2016: Mitglied der Commission on Population der International Geographical Union
    • 2006–2014: Mitglied des Senats der Wissensgemeinschaft Leibniz als Vertreter der Sektion B (Wirtschafts- und Sozial­wissenschaften, Raum­wissenschaften)
    • 2006–2014: Mitglied des Senats­ausschusses Evaluation der Wissensgemeinschaft Leibniz als Vertreter der Sektion B (Wirtschafts- und Sozial­wissenschaften, Raum­wissenschaften)
    • seit Oktober 2007 Mitglied im Lenkungs­ausschuss „Demographischer Wandel der Metropolregion Rhein-Neckar“
    • 2008–2017: Mitglied des Kuratoriums des Bundes­instituts für Bevölkerungs­forschung im Bundes­ministerium des Innern
    • 2010–2014: Vorsitzender des Arbeits­kreises „Räumliche Aus­wirkungen der internationalen Migration“ der ARL – Akademie für Raum­entwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft, Hannover
    • 2010–2014: Mitglied des Wissenschaft­lichen Beirats des Bundes­instituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundes­mininisterium für Verkehr, Bau und Stadt­entwicklung
    • 2012–2015: Mitglied des Kuratoriums Nationale Stadt­entwicklungs­politik des Bundes­ministeriums für Verkehr, Bau und Stadt­entwicklung
    • seit 2010 Mitglied der ARL – Akademie für Raum­entwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft, Hannover
    • 2011: Mitglied des Vorstandes des Verbandes für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen und Forschungs­einrichtungen (VGDH)
    • 2012–2013: 2. Vorsitzender des VGDH
    • 2014–2017: 1. Vorsitzender des VGDH
    • 2015–2021: Mitglied im Wissenschaft­lichen Beirat des Leibniz-Instituts für ökologische Raum­entwicklung als stellvertetender Vorsitzender
       
  • Mitglied in Gremien für die Herausgabe von Publikationen

    • 2002–2016: Mitglied des International Advisory Board des International Journal „Population, Space and Place”
    • Mitglied im Redaktions­beirat „Geographischen Rundschau“ (April 2002-Dezember 2006)
    • 2002–2010: Beirat „Revista de Geografía Norte Grande“, Santiago de Chile
    • 2004–2020: Mitherausgeber der Mannheimer Schriften zu Wohnungs­wesen, Kreditwirtschaft und Raumplanung
    • 2010–2017: Mitglied im Beirat der Zeitschrift „Comparative Population Studies“

Forschung

  • Forschungs­schwerpunkte

    Bevölkerungs- und Stadtforschung, insbesondere in Deutschland und in der Europäischen Union

    Die räumliche Verteilung der Bevölkerung nach Zahl und Struktur stellt einen wichtigen Bezug jeglicher regionaler Entwicklung dar. Sie prägt die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen, beeinflusst die Angebotsseite des Arbeits­marktes. In weiten Teilen Deutschlands ist die Dynamik der Bevölkerungs­verteilung von Alterung und Heterogenisierung gekennzeichnet. Zudem stehen Regionen mit steigenden Einwohnerzahlen solchen mit sinkenden gegenüber und führen hier wie dort zu spezifischen Herausforderungen, z. B. die Sicherung der Daseinsvorsorge, die Wohnraumversorgung einkommensschwacher Haushalte oder die Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern.

    Die Forschungen zielen mit Hilfe quantitativer wie qualitativer Vorgehensweisen auf die Strukturen und Prozesse, welche der räumlichen Differenzierung der Bevölkerungs­entwicklung zugrunde liegen. Z. B. verzeichneten seit etwa 2000 die Großstädte in Deutschland eine Bevölkerungs­zunahme. Zugleich ist eine ausgesprochene Polarisierung von wachsenden und schrumpfenden Städten zu beobachten. Welche Bevölkerungs­gruppen tragen wesentlich zu diesem Reurbanisierungs­prozess bei? Welche Akteure und welche stadt­spezifischen Bedingungen spielen eine Rolle? Welche Herausforderungen ergeben sich aus dem Wachstum auf der einen und der Schrumpfung auf der anderen Seite für die Stadt­entwicklung?

  • Neuere Publikationen

    Derzeit sind keine Dateien verfügbar.

    • Gans, P.; Hemmer, I.; Hemmer, M.; Miener, K. (2018): The perception of geography among the German population. Findings of a representative survey. In: Erdkunde 72 (1), S.23–39.
    • Gans, P. (2018): Bevölkerungs­prognose. Methodik, Anwendung und Aussagekraft. In: Informationen zur Raum­entwicklung 2018 (1), S. 10–19.
    • Gans, P.; Pott, A. (2018): Migration und Migrations­politik in Europa. In: Gesemann, F.; Roth, R. (Hg.): Handbuch lokaler Integrations­politik – Migration und Integration als Herausforderung von Kommunen. Wiesbaden, S. 11–56.
    • Gans, P.; Schmitz-Veltin, A.; West, C. (2019): Bevölkerungs­geographie. Braunschweig, 3. aktualisierte und neu bearbeitete Aufl.
    • Gans, P.; Pott, A. (2020): Bevölkerungs­geographie. In: Gebhardt, H.; Glaser, R.; Radtke, U.; Reuber, P.; Vött, A. (Hg.): Geographie. Physische Geographie und Humangeographie. Berlin, 3. Aufl., S. 973–991.
    • Pott, A.; Gans, P. (2020): Geographien der Migration. In: Gebhardt, H.; Glaser, R.; Radt­ke, U.; Reuber, P.; Vött, A. (Hg.): Geographie. Physische Geographie und Humangeogra­phie. Berlin, 3. Aufl., S. 993-1014.
    • Gans, P.; Horn, M.; Zemann, C. (Hg.) (2023): Sportgeographie. Ökologische, ökonomische und soziale Perspektiven. Berlin (https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-66634-0).
    • Gans, P. (2023): Wohnungs­märkte in Baden-Württemberg: Entwicklung, Differenzierung, Hintergründe, Herausforderungen (2012–2019). In: Fricke, A.; Held, T.; Schmitz-Veltin, A. (Hg.): Wohnen in Großstadtregionen Baden-Württembergs – Herausforderungen in Wachstumsregionen. Arbeits­berichte der ARL 36, Hannover, S. 10–45. (https://www.arl-net.de/system/files/media-shop/pdf/2023–11/02_gans_0.pdf).

    Vollständige Liste

  • Schriften zu Wohnungs­wesen, Kreditwirtschaft und Raumplanung

    Die Mannheimer Schriften zu Wohnungs­wesen, Kreditwirtschaft und Raumplanung bezogen werden.

    Hier finden Sie eine Liste der bisher erschienen Bände. 

    Bezug aller Schriften über:
    Prof. i. R. Dr. Paul Gans 
    Abteilung Volkswirtschafts­lehre
    Universität Mannheim
    68131 Mannheim 

    E-Mail: paulgans[at]uni-mannheim.de

    Alle Preise zzgl. Porto und Versand

  • Sportgeographie

    Gans, P.; Horn, M.; Zemann, C. (Hrsg.):

    Sportgeographie. Ökologische, ökonomische und soziale Perspektiven. Berlin 2023. Springer Spektrum.

    XIX, 431 S. 100 Abb. In Farbe.

    Druckausgabe brosch. ISBN 978-3-662-66633-3. 39,99 Euro.

    eBook ISBN 978-3-662-66634-0

    link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-66634-0

    Von Skateboarden auf einer selbst gebauten Halfpipe bis zu Olympischen Spielen – Sport hat viele Facetten, und die Wirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft sind immens. Im Buch „Sportgeographie. Ökologische, ökonomische und soziale Perspektiven“ beschäftigen sich 30 Autorinnen und Autoren in 24 Beiträgen mit vielfältigen Fragestellungen zu Sport und Geographie.

    Sport ist mit Bewegung verknüpft und diese braucht Räume: Stadien und Schwimmhallen, naturnahe Landschaften, städtische Grünanlagen, Straßen, Gebäudefassaden oder Industriebrachen. Sport ist dynamisch, neue Formen sportlicher Aktivitäten entstehen, bestehende differenzieren sich aus: Jogging, Slacklinen, Bike-Polo, Stadtmarathon, Buildering oder Freerunning. Die Ausübung dieser Trendsportarten ist im Vergleich zum traditionellen Sport zumeist nicht an Sportstätten gebunden, sondern Sporttreibende eignen sich Orte oftmals selbst an. Raumansprüche und Raumwirksamkeit ändern sich.

    Die vielfältigen Formen von und Motive für Sport erschweren eine Begriffs­bestimmung. Sport ist das, was ein Mensch dar­unter versteht. Damit rücken Sporttreibende und deren individuelles Handeln im Raum in den Vordergrund des wissenschaft­lichen Interesses. Die vielfältigen Beziehungen zwischen Sport und Raum sind Er­kenntnisobjekt sportgeographischer Forschung, welche unter Beachtung ökologischer, ökonomischer und/oder sozialer Fragestellungen sportliche Aktivitäten untersucht, Wirkungen prognostiziert und im Planungs­prozess zur Gestaltung sportbezogener Handlungen im Raum beiträgt.

    Der Band gliedert sich in fünf Kapitel. In „Raum und Sport“ wird die Anwendung der vier Raumkonzepte der Deutschen Gesellschaft für Geographie zur Analyse sportlicher Aktivitäten aufgezeigt. Warum und wo werden Natursportarten betrieben? Führt die Raumwirksamkeit zu Konflikten mit dem Naturschutz? Trendsportarten sind die Speerspitze des Wandels im Sport. Spezifische Formen der Raumaneignung sind Nomadentum, Zwischenmiete und Entrepreneurship. Eine explorative Studie von Mitgliedern einer Wander­gruppe aus dem Elsass und Baden-Württemberg zeigt, dass infolge des gemeinsamen Sports in beiden Ländern Grenzüberschreitungen heute als etwas Selbstverständliches wahrgenommen werden.

    Im Kapitel „Ökologie und Sport“ wird ein Überblick zu den ökologischen Aus­wirkungen des Sports anhand des Sporttreibens selbst, des Baus von Sportanlagen und insbesondere der Sportgroßveranstaltungen gegeben. Zur Kompensation der Verkürzung der Skisaison infolge des Klimawandels findet in den alpinen Skigebieten eine flächendeckende Beschneiung statt, deren ökologische Wirkungen u. a. Wasserkonflikte und den Verlust an Biodiversität verursachen. Die wachsende Relevanz von Nachhaltigkeits­konzepten am Beispiel der Olympischen Sommerspiele in Sydney (2002), London (2012) und Brisbane (2030) dokumentiert, dass die Umsetzung einzelner Projekte zwar die ökologische Belastung reduzieren, aber nicht vermeiden kann. Empfohlen wird u. a. keine weitere Ausweitung der Großereignisse. Am Beispiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar wird die facettenreiche Instrumentalisierung des Sports in Bezug auf ökologische, ökonomische und gesellschaft­liche Ziele des Staates deutlich.

    Im Kapitel „Ökonomie und Sport“ werden die regionalwirtschaft­lichen Impulse, die von 320 Veranstaltungen des Jahres 2014 auf dem Hockenheimring ausgehen, auf Basis empirischer Erhebungen zum Ausgabe­verhalten der Besucherinnen und Besucher geschätzt. Sportliche Aktivitäten erzeugen Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, schaffen sportbezogene Arbeits­märkte, deren Ausprägung regional differenziert. Auf Basis einer Kosten-Nutzen-Analyse werden die Impulse von Sportgroßveranstaltungen für die Bekanntheit und das Image von Hamburg bewertet. Die „vitale Sportstadt“ verfolgt zudem eine Activ-City-Strategie, die die Sportbedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigt und Sportangebote in die Stadt­entwicklungs­planung integriert. Am Beispiel von Borussia Mönchengladbach wird die Bedeutung eines professionellen Sportvereins für die Bekanntheit und das Image einer Stadt aufgezeigt.

    Im Kapitel „Gesellschaft und Sport“ werden z. B. die Aus­wirkungen des Frauenfußballs auf gesellschaft­liche Strukturen und Rollenverteilungen in einer patriarchalisch geprägten Umwelt dargestellt. Globale Netzwerke prägen die sportbedingte internationale Migration am Beispiel des Profifußballs. Welche Interessen haben die bei einem Vereinswechsel involvierten Akteure? Sport verfügt über ein hohes sozial-integratives Potenzial, denn Bewegungs­räume sind auch Begegnungs­räume. Diese Eigenschaft nutzen die Netzwerke „Miteinander Turnen“ und „Midnight Sports“ in der Schweiz zur sozialen Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrations­hintergrund. In benachteiligten städtischen Quartieren fehlen oftmals Sportangebote für Kinder und Jugendliche. Am Beispiel der Stadt Bonn wird mit einer Sozialraum- und Mängelanalyse gezeigt, wie mit Sport- als Teil der Stadt­entwicklungs­planung dieser Ungleichwertigkeit der Quartiere gegengesteuert werden kann. Vom Sport gehen soziale Wirkungen auf die Bevölkerung aus. Eine vergleichende Betrachtung von Hockenheimring und 1. FC Kaiserslautern zeigt, dass die Intensität von Zusammengehörigkeits­gefühl und regionaler Identität von der Größe, dem Prestige und der Ausstrahlung der Sport­veranstaltungen abhängig ist. Die Reisemotive deutscher Fußballfans beim Besuch der Fußball-WM 2014 in Brasilien legen offen, dass es sich um einen sport­orientierten Veranstaltungs­urlaub handelt. Soziale Wirkungen des passiv erlebten Sports stehen im Vordergrund.

    Im Kapitel „Planung und Sport“ wird die Diskrepanz zwischen dem heutigen Sportstättenangebot und dem zukünftigen Bedarf angesichts des demographischen Wandels und der Änderungen im Sport­verhalten thematisiert. Bewegungs­freundliche Lebens­räume schaffen, ist Ziel eines Bewegungs­raum-Managements. Mit diesem kooperativen Ansatz der Stadt­entwicklung kann die Stadtplanung auf sich ändernde Raumansprüche des Sports umfassend reagieren. Sind Sportgroßveranstaltungen Impulsgeber für die Stadterneuerung der Veranstaltungs­orte? Die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020/21 wirken als Katalysator für die städtebauliche und infrastrukturelle Erneuerung Tokios, beschleunigen zugleich die Transformation einer profit­orientierten Stadt­entwicklung. Am Beispiel von Velodrom und Max-Schmeling-Halle in Berlin werden die Ausstrahlungs­effekte von Stadionneubauten mit einer ikonischen Architektur auf die Bodenpreise in der Umgebung der beiden Standorte aufgezeigt. Die Wirkungen von Sportgroßveranstaltungen sollten nachhaltig wie innovativ sein und ein positives Vermächtnis anstreben. Das NIV-Konzept dient der Evaluierung dieser Ziele und wird am Beispiel der FIS Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in St. Moritz 2017 vorgestellt.

    Der Band gibt einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Formen des Sports mit seinen Wirkungen aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Perspektive. Die Beiträge haben inhaltliche Schnittmengen zu Umwelt- und Naturschutz, zu Hydrologie, zu Wirtschafts-, Stadt- und Sozialgeographie, zur Politischen Geographie, zu Stadtplanung und Regional­entwicklung. Die inhaltliche Breite wird von einer Vielfalt empirischer Forschungs­methoden in den Beiträgen ergänzt.

  • Wohnungs­märkte in Baden-Württemberg

    WOHNUNGSMÄRKTE IN BADEN-WÜRTTEMBERG: ENTWICKLUNG, DIFFERENZIERUNG, HINTERGRÜNDE, HERAUSFORDERUNGEN (2012–2019)

    Gliederung

    1 Wohnungs­markt­entwicklung Baden-Württemberg – ein Überblick und Vergleich auf Länder­ebene (2012–2019)

    2 Wohnungs­markt Baden-Württemberg – eine räumliche Perspektive

    2.1 Wohnungs­nachfrage

    2.1.1 Bevölkerungs- und Haushalts­entwicklung (2012–2019)

    2.1.2 Einkommen der privaten Haushalte (2012–2018)

    2.1.3 Wohnflächenkonsum (2012–2019)

    2.2 Wohnungs­angebot

    2.2.1 Wohnungs­bau­tätigkeit (2012–2019)

    2.2.2 Art der Bau­tätigkeit (2012–2019)

    2.2.3 Bestand von Wohngebäuden und Wohnungen (2012–2019)

    3 Immobilienpreise und ihre Entwicklung für Bauland und baureifes Land (2012–2019)

    4 Fazit

    Literatur

    Kurzfassung

    Der Beitrag gibt in Abhängigkeit der siedlungs­strukturellen Kreistypen einen Überblick über die räumliche Entwicklung der Wohnungs­märkte in Baden-Württemberg von 2012 bis 2019. Die Daten stammen aus den Regionaldatenbanken des Statistischen Bundes­amtes und des Statistischen Landes­amtes Baden-Württemberg. Nach einem Vergleich der Wohnungs­markt­entwicklung in Baden-Württemberg mit derjenigen in den anderen Ländern wird auf die Dynamik der Nachfrage- und Angebotsseite der Wohnungs­märkte sowie auf die Immobilienpreise eingegangen. Das Fazit fasst die Kernergebnisse in zehn Punkten zusammen. Hervorzuheben sind Wohnungs­knappheit und über­durchschnittlicher Bedarf an bezahlbaren Wohnungen in den Großstädten. Sub- und Desurbanisierungs­prozesse verstärken sich, Reurbanisierungs­prozesse schwächen sich ab. Ausgewählte Maßnahmen zur Linderung der Anspannung der Wohnungs­märkte und ein Ausblick zu den Folgen der Corona-Pandemie wie der zukünftigen Zins­entwicklung für Wohnimmobilien schließen den Beitrag ab.

    Schlüsselwörter

    Entwicklung der Wohnungs­märkte – räumliche Differenzierung – Wohnungs­knappheit – bezahlbarer Wohnraum – Kaufwerte für Bauland und baureifes Land – Reurbanisierung – Suburbanisierung – Desurbanisierung – Zins­entwicklung

    HOUSING MARKETS IN BADEN-WURTTEMBERG: DEVELOPMENT, DIFFERENTIATION, BACKROUNDS, CHALLENGES (2012–2019)

    Abstract

    The contribution provides an overview of the spatial development of the housing markets in Baden-Württemberg from 2012 to 2019, depending on the types of settlement structure. The data are coming from the regional databases of the Federal Statistical Office and the Statistical Office of Baden-Württemberg. After a comparison of the development of the housing market in Baden-Württemberg with that in the other federal states, the dynamics of the demand and supply side of the housing markets as well as the real estate prices are discussed. The conclusion summarizes the results in ten points. The shortage of housing and the above-average need for affordable housing in the larger cities should be emphasized. Sub- and deurbanization processes are intensifying, re-urbanization processes are weakening. Selected measures to alleviate the tension in the housing markets and an outlook on the consequences of the corona pandemic and the future development of interest rates for residential real estate conclude the contribution.

    Keywords

    Development of the housing markets – spatial differentiation – housing shortage – affordable housing – purchase value for building land and for ready for building areas – reurbanization – suburbanization – desurbanization – interest rate development

    Gans, P. (2023): Wohnungs­märkte in Baden-Württemberg: Entwicklung, Differenzierung, Hintergründe, Herausforderungen (2012–2019). In: Fricke, A.; Held, T.; Schmitz-Veltin, A. (Hg.): Wohnen in Großstadtregionen Baden-Württembergs – Herausforderungen in Wachstumsregionen. Arbeits­berichte der ARL 36, Hannover, S. 10–45.

    www.arl-net.de/system/files/pdf/2023–11/ab_036_gesamt.pdf

  • Stadt­entwicklung und Wohnungs­bau Ludwigshafen am Rhein bis 1945

    Ludwigshafen am Rhein eine der jüngsten Großstädte Deutschlands

    Ludwigshafen am Rhein ist eine junge Stadt. 1853 als selbstständige Gemeinde gegründet, wurde sie bereits 1859 zur Stadt erhoben. Ihre Entwicklung ging aus der Festungs­anlage „Rheinschanze“ auf der linken Rheinseite gegenüber der kurpfälzischen Residenz- und Hauptstadt Mannheim hervor, wo sich nach Wegfall der militärischen Funktionen 1801 die Vorteile beider Standorte am Rhein für den Handel voll herausbildeten. Der konsequente Ausbau des Verkehrs­netzes im 19. Jahrhundert stärkte die Erreichbarkeit des Knotens Ludwigshafen auf pfälzischer Seite und war ein wesentlicher Faktor für die weitere Entwicklung zur Industriestadt, geprägt von Unternehmen der Chemiebranche. Mit der wirtschaft­lichen Dynamik der Kommune ging ein hohes Bevölkerungs­wachstum einher, Ludwigshafen wurde zur Boomstadt und überflügelte die älteren linksrheinischen Städte wie Speyer oder Worms innerhalb von drei Jahrzehnten in beträchtlichem Maße nach der Einwohnerzahl und seiner wirtschaft­lichen Bedeutung für Bayern. Ende des 19. Jahrhunderts war Ludwigshafen die größte Stadt in der bayerischen Pfalz.

    Ludwigshafen fehlt zwar aufgrund des jungen Alters eine Altstadt wie in Heidelberg oder ein barockes Zentrum wie in Mannheim, doch sind in der Stadt wertvolle städtebauliche Zeugnisse zu finden, die charakteristische Phasen der Stadt­entwicklung in Deutschland seit den 1870er Jahren repräsentieren und in Ludwigshafen wesentlich vom Wohnungs­bau bestimmt sind (Düwel/Gutschow 2001). Die Vielfalt der Quartiere spiegelt mit ihren jeweiligen städtebaulichen Eigenschaften zum einen sich ändernde Wohnvorstellungen als Ausdruck des gesellschaft­lichen Wandels in Deutschland wider, zum andern den Einfluss von Staat und Kommunen mit wechselnden Zielen in der Wohnungs­politik, von privaten Investoren, Reformvorstellungen oder großstadtfeindlichen Ideologien auf die Stadt­entwicklung: die mit Gründung des Kaiserreiches 1871 sich verstärkende Verstädterung infolge der sich beschleunigenden Industrialisierung, damit verbunden der von Bodenspekulation getriebene Wohnungs­bau als Resultat eines „freien“ Wohnungs­marktes, begleitet von untragbaren Wohn­verhältnissen in den Mietskasernenquartieren, das Aufkommen der „sozialen“ Wohnungs­frage, aber auch privater Initiativen zur Lösung dieser Herausforderungen, wie die Gründung von Baugenossenschaften zur Umsetzung der Gartenstadt-Idee von Ebenezer Howard oder der Bau von Werkswohnungen.

    Die Gründung der kommunalen Wohnungs­bau­gesellschaft GAG am 16. Juni 1920 steht für den Wandel der Wohnungs­politik während der Weimarer Republik nach 1918. Die Wohnungs­frage wird als sozialpolitische Problemstellung begriffen, deren Lösung nach Überzeugung der Politik staatliche Eingriffe in den Wohnungs­markt und direkte Förderung des Wohnungs­baus bedingt. Beispiele für den Städtebau sind in Ludwigshafen die großzügige Anlage der Ebertsiedlung, realisiert von 1927 bis 1929, als Ausdruck des „Neuen Bauens“, und etwas später der Bau der Westendsiedlung mit Kleinwohnungen für Haushalte mit geringem Einkommen.

    Die Nationalsozialisten zogen sich aus der direkten Wohnungs­bau­förderung zurück. Freie Markt­wirtschaft und Privat­initiative sollten z. B. mit Hilfe von Reichsdarlehen zu Markt­bedingungen die Wohnungs­frage lösen. Ziel war ein Städteumbau. Leitbild waren als Ausdruck großstadtfeindlicher Einstellungen aufgelockerte Siedlungs­strukturen, mit denen die „Verbindung des deutschen Menschen mit der Heimatscholle“ erreicht werden sollte. Beispiele in Ludwigshafen sind Niederfeldsiedung sowie Notwende. Doch konnte die Anlage von Kleinsiedlungen den bestehenden Wohnungs­bedarf bei weotem nicht beseitigen. Das Regime beschloss daher 1935 den Bau billigster Mietwohnungen, sogenannter Volkswohnungen, wie sie im Österreichischen oder Grazer Viertel zu finden sind. Aber die Priorisierung der Kriegsvorbereitungen entzog dem Wohnungs­bau Ressourcen, sodass Projekte zeitlich verzögert oder gar nicht realisiert wurden. Ende des Krieges waren 36,4 Prozent des Wohnungs­bestandes völlig und 10, 5 Prozent teilweise zerstört.

    Diese knappe Übersicht zur Wohnungs- und Siedlungs­entwicklung Ludwigshafens bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verdeutlicht, dass Städte ein gebautes Gedächtnis darstellen. In ihren Wohnquartieren manifestieren sich gesellschaft­liche Änderungen und Umbrüche in den politischen Verhältnissen, der Wirtschafts- und Sozialstruktur, den stadtplanerischen Vorstellungen und Entwicklungs­linien als spezifische städtebauliche Erinnerungen. Ludwigshafen steht beispielhaft für die Entwicklung der Großstädte in Deutschland mit Beginn der Industrialisierung, mit dem besonderen Stellenwert von Werkswohnungs­bau und der Bau­tätigkeit der kommunalen Wohnungs­bau­gesellschaft. Übergeordnetes Ziel der nachfolgenden Ausführungen ist das Aufzeigen des zeitgeschichtlichen Kontextes in den drei Phasen der Stadt­entwicklung mit ihren jeweiligen städtebaulichen Leitbildern am Beispiel ausgewählter städtischer Quartiere in Ludwigshafen.

    Dem Projektteam gehören an:

    • Dipl.-Geogr. Werner Appel, Amt für Stadt­entwicklung Ludwigshafen
    • Prof. i. R. Dr. Paul Gans, Abteilung Volkswirtschafts­lehre, Universität Mannheim
    • Akad. Dir. Dr. Michael Horn, Fach­bereich 7, Natur- und Umwelt­wissenschaften, RPTU Kaiseerslautern-Landau, Campus Landau

Kontakt

Prof. em. Dr. Paul Gans

Prof. em. Dr. Paul Gans

Emeritus Universität Mannheim
Universität Mannheim
Abteilung Volkswirtschafts­lehre
L 7, 3–5
68161 Mannheim